Der Spielzeugkonzern Hasbro durchlebt derzeit eine kritische Phase nach einem Cyberangriff, der am 28. März entdeckt wurde. In einer knappen Mitteilung an die Securities and Exchange Commission (SEC) bestätigte das Unternehmen lediglich einen Fall von “unbefugtem Zugang” zu seinen Netzwerken, ohne weitere Details zur Art des Angriffs zu nennen.
Das Unternehmen beeindruckte Sicherheitsexperten allerdings mit seiner Reaktion: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen musste Hasbro seine Operationen nicht vollständig herunterfahren. Stattdessen aktivierte das Unternehmen Geschäftskontinuitätspläne, die es ermöglichen, Bestellungen anzunehmen, Produkte zu versenden und andere kritische Funktionen aufrechtzuerhalten. Dies ist ein bewusster Ansatz zur Schadensminderung.
Doch es gibt auch beunruhigende Signale: Hasbro musste mehrere Systeme offline nehmen, und eine vollständige Wiederherstellung wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Benny Lakunishok, CEO von Zero Networks, deutet darauf hin, dass es sich möglicherweise um einen Ransomware-Angriff handelt. Die Formulierung “unbefugter Zugang” und die Prognose einer mehrwöchigen Wiederherstellung seien typische Warnsignale für solche Angriffe.
Der Einzelhandelssektor ist besonders anfällig für Cyberangriffe, da er sensible Kundendaten mit operationaler Komplexität verbindet. Hasbro sitzt an der Schnittstelle globaler Lieferketten, E-Commerce-Plattformen und Drittanbieter-Ökosystemen, was eine breite und oft fragmentierte Angriffsfläche schafft. Für Cyberkriminelle ist dies ein attraktives Ziel – besonders bei finanziell motivierten Angriffen.
Experten schätzen, dass die Kosten für eine Wiederherstellung erheblich sein könnten. Wenn Ransomware involviert ist, könnten Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe zur Debatte stehen – besonders wenn Produktionslinien stillstehen würden. Das Beispiel Jaguar Land Rover aus dem Vorjahr zeigt die potenziellen Folgen: Ein Ransomware-Angriff führte dort zu wochenlangen Stillständen und Hunderten von Millionen Dollar Verlust.
Hasbro verdient jedoch Anerkennung für eine offenbar gut durchdachte Notfallplanung. Kevin Marriott von Immersive lobt das Unternehmen dafür, dass es keine vollständige Betriebskrise erlitt. “Das passiert nicht zufällig – es ist das Ergebnis von Organisationen, die über statische Pläne hinausgegangen sind und aktiv getestet haben, wie sie unter Druck reagieren würden.” Für deutsche Unternehmen ist dies eine wichtige Lektion: Kontinuitätspläne müssen regelmäßig geübt werden.
