Die Cybersicherheits-Abteilung der EU (CERT-EU) hat jetzt Details zum genauen Ablauf des Angriffs offengelegt. Demnach nutzten die Angreifer der Hacker-Gruppe TeamPCP einen kompromittierten AWS-API-Schlüssel, um sich Zugang zur Cloud-Infrastruktur zu verschaffen, die das Europa.eu-Hosting-Portal betreibt. Dies ist besonders problematisch, da die Europäische Kommission die manipulierte Version von Trivy unwissentlich über normale Software-Update-Kanäle erhalten hatte.
Nach dem ersten Zugriff arbeiteten die Angreifer systematisch vor. Sie erstellten neue Zugangsschlüssel zu weiteren AWS-Konten und führten Aufklärungsoperationen durch. Am selben Tag setzte die Hacker-Gruppe das Tool TruffleHog ein – ein bekanntes Programm zum Scannen und Validieren von AWS-Zugangsdaten durch Aufrufe des Security Token Service (STS).
Das Ausmaß der Datenexfiltration ist erheblich: Insgesamt wurden 340 Gigabyte unkomprimierter Daten gestohlen, die sich auf Webseiten von bis zu 71 Kunden verteilen. Darunter befinden sich 42 interne Kunden der Europäischen Kommission sowie mindestens 29 weitere EU-Institutionen. Die kompromittierten Daten enthalten Namen, E-Mail-Adressen und Benutzernamen, hauptsächlich von EC-Webseiten. Zusätzlich wurden etwa 2,22 Gigabyte automatisierte Benachrichtigungen und Bounce-Back-Meldungen erbeutet, die originale Benutzerinformationen enthalten können.
Besonders bemerkenswert ist die schnelle Reaktion der Täter: Bereits am 28. März – nur vier Tage nach dem Angriff – veröffentlichte die berüchtigte Hacker-Gruppe ShinyHunters die gestohlenen Daten auf ihrer Tor-basierten Leak-Website als Erpressungsmittel.
Zum Schutz reagierte die Europäische Kommission rasch: Die betroffenen AWS-Konten wurden deaktiviert, die kompromittierten Anmeldedaten rotiert und die zuständigen Datenschutzbehörden benachrichtigt. CERT-EU versichert, dass interne Systeme der Kommission nicht betroffen waren. Derzeit wird eine umfassende Analyse der mit den gehosteten Webseiten verknüpften Datenbanken durchgeführt – ein aufwändiger Prozess angesichts des Volumens und der Komplexität der Informationen.
