Eine Stichprobe der offengelegten Dokumente, die die Financial Times prüfte, zeigte, dass neben Cameron und Scaramucci weitere prominente Personen betroffen waren: der Hedgefonds-Milliardär Alan Howard, Richard Teng, Co-Geschäftsführer der Kryptobörse Binance, sowie die EU-Botschafterin in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Lucie Berger.
Suchowski wandte sich erst an die Financial Times, nachdem Versuche, die ADFW direkt zu informieren, erfolglos geblieben waren. Nach der Anfrage der Zeitung sicherte die Organisation den Server umgehend.
“Die ADFW nimmt den Datenschutz und die Sicherheit ihrer Plattform äußerst ernst und hat dies stets getan; auch jede Sicherheitsverletzung wird mit größtem Ernst behandelt”, zitierte die Financial Times die Organisation. Die Umgebung sei unmittelbar nach Bekanntwerden gesichert worden, und eine erste Prüfung deute darauf hin, dass der Zugriff auf den Forscher beschränkt geblieben sei, der das Problem entdeckt hatte.
Die Abu Dhabi Finance Week gilt als eine der wichtigsten Finanzveranstaltungen in der Region Naher Osten und Nordafrika (MENA). Ausgerichtet wird sie jährlich vom Abu Dhabi Global Market (ADGM), dem internationalen Finanzzentrum des Emirats. Seit dem Start 2022 ist die Veranstaltung rasch an Bedeutung gewonnen. Der Gipfel 2025, der unter der Schirmherrschaft des Kronprinzen von Abu Dhabi stattfand, zog 35.000 Teilnehmer aus mehr als 180 Ländern an; vertreten waren Unternehmen, die zusammen mehr als 62 Billionen US-Dollar verwalten – das entspricht 53 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.
Der Vorfall trifft Abu Dhabi zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Emirat als globales Finanzzentrum neben New York, London und Singapur etablieren will. Während der ADFW startete es ein wirtschaftspolitisches Vorhaben – ein Cluster für FinTech, Versicherungen sowie digitale und alternative Vermögenswerte –, das bis 2045 voraussichtlich 15 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt Abu Dhabis beitragen soll. Das Emirat wirbt aktiv um internationale Investoren und verspricht eine fortschrittliche Regulierung und politische Stabilität.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Offenlegung sensibler Daten von ehemaligen Regierungschefs, Krypto-Geschäftsführern und Hedgefonds-Milliardären die falsche Botschaft an potenzielle Investoren senden.
“Dieses Leck stellt ein gewaltiges Versagen der operativen Sicherheit dar – und ein peinliches”, sagte Cassius Edison, Chief Operations Officer von Closed Door Security. Eine Konferenz mit prominenten Politikern und Wirtschaftsführern auszurichten und deren Daten nicht einmal auf grundlegendste Weise sicher aufzubewahren, sei ein schwerwiegender Fehler der ADFW. Wären diese Daten von Kriminellen oder böswilligen Akteuren abgegriffen worden, hätte das die Glaubwürdigkeit der Konferenz vollständig zerstören können, ergänzte er in einer schriftlichen Stellungnahme.
