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Massive Störung in russischen Bankensystemen: Millionen Nutzer ohne Kartenzahlungen

Massive Störung in russischen Bankensystemen: Millionen Nutzer ohne Kartenzahlungen
Zusammenfassung

Ein massiver Ausfall hat letzte Woche Bankkonten und Zahlungssysteme in Russland lahm gelegt und Millionen Kunden in mehreren Regionen, insbesondere in Moskau, für mehrere Stunden vom Zahlungsverkehr abgeschnitten. Betroffen waren Apps führender russischer Geldinstitute wie Sberbank, VTB, Alfa-Bank und T-Bank, wobei die Störung auch Geldautomaten und den öffentlichen Nahverkehr beeinträchtigte – die Moskauer Metro musste Fahrgäste zeitweise kostenlos durchlassen, weil Kartenleser ausfiel. Während unabhängige russische Medien zunächst vermuteten, dass die Blockade von VPN-Diensten durch die Aufsichtsbehörde Roskomnadzor die Ursache war, verschwanden diese Berichte kurz darauf von vielen Websites, nachdem Roskomnadzor Löschungen gefordert haben soll. Die genaue Ursache bleibt unklar – offizielle Stellen deuteten später auf interne Ausfälle bei Sberbank hin. Für deutsche Nutzer und Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu Russland verdeutlicht der Vorfall die Vulnerabilität kritischer digitaler Infrastruktur unter geopolitischen Spannungen. Zudem zeigt er die zunehmende staatliche Kontrolle über das russische Internet im Kontext des Ukraine-Krieges, wo Moskau ein „Whitelist"-System erwägt, das nur behördlich genehmigte Websites zulässt – ein Trend mit potenziellen Auswirkungen auf internationale Handels- und Finanzbeziehungen.

Der Bankausfall in Russland offenbarte die Verwundbarkeit kritischer Finanzinfrastrukturen unter staatlicher Kontrolle. Am Freitag kollabierte das Zahlungssystem für Stunden – Millionen Kunden saßen buchstäblich fest: ATMs verweigerten Dienste, die Moskauer Metro-Turnstile akzeptierten keine Karten mehr, und das gesamte Mobile-Banking-Ökosystem funktionierte nicht.

Die Ursachenforschung offenbart ein bemerkenswertes Muster von Desinformation und Zensur. Zunächst berichteten russische Medien wie Forbes Russia, dass die Störung mit Blockiermaßnahmen der Behörde Roskomnadzor zusammenhängen könnte – speziell mit dem Versuch, VPN-Dienste und bestimmte IP-Adressen zu blockieren. Doch wenige Tage später verschwanden diese Berichte aus dem Netz. Roskomnadzor soll mehrere Publikationen zur Löschung dieser Inhalte aufgefordert haben.

Die Kaspersky-Mitgründerin Natalia Kasperskaya postete auf Telegram ihre Überzeugung, dass Roskomnadzor’s VPN-Blockierungsversuche die Probleme verursacht hätten. “Dies ist kein feindlicher Überfall ausländischer Hacker”, schrieb sie, “sondern unser Roskomnadzor, der endlich ernsthaft gegen Tunnel-Verkehrsumleitung und VPN-Dienste vorgeht.”

Offizielle Stellungnahmen widersprachen diesem Szenario. Berichten zufolge teilten Behördenvertreter Kasperskaya mit, eine interne Sberbank-Störung sei verantwortlich. Sberbank selbst bestätigte Ausfälle, nannte aber keine Ursache. Experten vermuten jedoch, dass Sberbanks Rolle als größter Acquirer – also Zahlungsabwickler für Einzelhandelsbetriebe – den Schaden auf das ganze System übertragen haben könnte.

Der Vorfall illustriert Russlands zunehmend restriktive Kontrolle der digitalen Infrastruktur. Behörden beschränken regelmäßig Mobilfunkzugang und planen ein sogenanntes “Whitelist”-System, das Internetnutzer auf staatlich genehmigte Plattformen beschränken würde. Parallel verbietet man Sprachanrufe über Telegram und WhatsApp.

Für europäische Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Russland ist dies ein warnendes Beispiel: Zentralisierte Finanzinfrastrukturen unter staatlicher Kontrolle bergen erhebliche Resilienz-Risiken. Deutsche Firmen sollten ihre Abhängigkeit von russischen Systemen überprüfen und Redundanzstrategien entwickeln.