Unabhängige russische Medien berichten, die Internetaufsichtsbehörde Roskomnadzor habe Publikationen aufgefordert, Beiträge zu entfernen, die die Bankenstörung mit ihren Sperrmaßnahmen verknüpften.
Natalia Kasperskaja, Mitgründerin des Cybersicherheitsunternehmens Kaspersky Lab, schrieb am Samstag auf Telegram, sie gehe davon aus, dass die Probleme durch Versuche von Roskomnadzor verursacht worden seien, VPN-Dienste zu blockieren. „Das ist kein feindlicher Überfall und kein Angriff durch externe Akteure oder bösartige ausländische Hacker“, schrieb sie. „Das ist unser ganz eigener Roskomnadzor, der endlich ernst macht im Kampf gegen Traffic-Tunneling und Schutzdienste, auch bekannt als VPNs.“
Die russischen Behörden erklärten den Ausfall öffentlich nicht. Beamte sollen Kasperskaja jedoch mitgeteilt haben, die Störung sei durch einen internen Fehler bei der Sberbank verursacht worden, dem größten Kreditinstitut des Landes. Die Sberbank hatte den Ausfall zuvor bestätigt, ohne die Ursache zu nennen. Von Kommersant zitierte Fachleute vermuteten, Probleme bei der Sberbank könnten andere Banken beeinträchtigt haben, da sie als größte Acquiring-Bank des Landes Kartenzahlungen für viele Einzelhandelsstandorte abwickelt.
Der Vorfall fällt in eine Phase, in der Russland angesichts des Kriegs in der Ukraine die Kontrolle über seine digitale Infrastruktur verschärft. Behörden haben den mobilen Internetzugang in Moskau und anderen Großstädten wiederholt eingeschränkt und begründen die Maßnahmen mit dem Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen.
Zudem erwägen die Behörden ein System, das den Internetzugang bei solchen Störungen auf eine staatlich genehmigte Liste von Websites begrenzen würde. Unter dem vorgeschlagenen „Whitelist“-System blieben nur ausgewählte russische Plattformen erreichbar – darunter soziale Netzwerke, Marktplätze, Taxi- und Lieferdienste, Telekommunikationsdienste und Behördenportale.
Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Verschärfung der digitalen Kontrollen in Russland. So wurden bereits Sprachanrufe über Messenger-Dienste wie Telegram und WhatsApp unter Verweis auf Betrugsbedenken eingeschränkt; weitere Beschränkungen bis hin zu möglichen Verboten wurden angedeutet.
