GASA berechnet den Gesamtverlust pro Markt, indem die Organisation den durchschnittlichen Verlust der Befragten, die nach eigenen Angaben Geld verloren haben, auf die gesamte erwachsene Bevölkerung hochrechnet. “In unserer landesweit repräsentativen Stichprobe von 1.000 Befragten in Südafrika gaben 42 % an, Geld durch einen Betrug verloren zu haben. Unter den Betroffenen lag der durchschnittliche Verlust bei 130,20 US-Dollar (2.563,90 Rand)”, so die Organisation. Bezogen auf die erwachsene Bevölkerung Südafrikas von 41.581.818 Menschen (Quelle: Statistics South Africa) ergebe das rund 17,5 Millionen betrogene Erwachsene.

In absoluten Zahlen fallen die Einzelschäden in Südafrika geringer aus als in den meisten anderen von GASA untersuchten Ländern. Ein durchschnittliches Betrugsopfer in den USA verliert demnach gut 1.000 US-Dollar, in Österreich nähert sich der Betrag dem Gegenwert von 3.000 US-Dollar – in Südafrika sind es eher 130 US-Dollar.

Umso bemerkenswerter ist, dass Südafrika zu den am stärksten betroffenen Ländern der Welt gehört. GASA ermittelte im Schnitt 258 Betrugsversuche pro Person und Jahr, was rund einem Versuch alle 36 Stunden entspricht. Unter den 42 Ländern des globalen Berichts landete Südafrika auf dem fünften Platz der Länder, in denen man im Alltag am wahrscheinlichsten auf Betrug stößt.

“Im Allgemeinen optimieren Betrüger nicht auf den höchsten theoretischen Ertrag pro Opfer; sie optimieren auf Einfachheit, Skalierbarkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit”, sagt Patricia Eromosele, Leiterin des Afrika-Kapitels von GASA. “Ein kleinerer Betrag, der tausendfach gelingt, ist oft profitabler als ein großer Betrag, der selten zustande kommt.” In vielen einkommensschwächeren oder sich rasch digitalisierenden Märkten seien Betrugserkennungssysteme weniger ausgereift, das Bewusstsein der Verbraucher geringer und die Strafverfolgung uneinheitlich. Wohlhabendere Volkswirtschaften böten zwar höhere potenzielle Erträge, hätten aber auch stärkere Schutzmechanismen und eine aggressivere Strafverfolgung.

Obwohl 98 % der Befragten angaben, mindestens eine Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen, um die Echtheit eines Angebots zu prüfen, fielen 77 % im Jahr vor der Befragung auf Betrug herein – und zwar im Schnitt nicht nur einmal, sondern 2,2-mal. Aus diesen Daten rechnete GASA hoch, dass Betrüger binnen zwölf Monaten rund 2,3 Milliarden US-Dollar erbeuteten, indem sie Südafrikaner mehr als 17,5 Millionen Mal betrogen.

Gut 70 % der betroffenen Südafrikaner meldeten den Vorfall ihrem Zahlungsdienstleister oder dem Anbieter der genutzten App – die niedrigste Quote des Kontinents. Die Strafverfolgungsbehörden schalteten sie nur halb so oft ein. Wer gar nichts meldete, nannte als zweithäufigsten Grund die Überzeugung, es werde ohnehin nichts unternommen. Diese Skepsis ist nicht unbegründet: Weltweit führten laut GASA im Schnitt 30 % der gemeldeten Betrugsfälle dazu, dass Opfer zumindest einen Teil ihres Geldes zurückerhielten; in Afrika lag dieser Wert mit 20 % am niedrigsten, in Südafrika bei 21 %.

Sichtbar geworden ist die Strafverfolgung zuletzt vor allem in anderer Hinsicht: Besonders in Südostasien gehen Behörden mit aufsehenerregenden Razzien gegen Betrugskomplexe vor und befreien dabei die dort eingesetzten Zwangsarbeiter. Eine Wirkung auf das weltweite Betrugsaufkommen zeigt sich bislang jedoch nicht. “Wir haben keinen Rückgang der Betrugsaktivität festgestellt, die weiter explodiert”, so Eromosele. Solange die Strafverfolgung nicht grenzüberschreitend koordiniert sei, verschwinde die Aktivität nicht, sondern verlagere sich nur. Betrugsnetzwerke arbeiteten regional, die Strafverfolgung dagegen weitgehend national – diese Asymmetrie sei die zentrale Schwachstelle.

Statt medienwirksamer Razzien sei es nach Eromoseles Auffassung wirksamer, der Spur des Geldes zu folgen. “Festnahmen sind sichtbar. Vermögensbeschlagnahmungen und eine dauerhafte Unterbrechung der Geldflüsse sind das, was die Anreize tatsächlich verändert”, argumentiert sie. “Die Finanzkanäle sind der Engpass. Wenn Gelder sich nicht bewegen können, bricht das Geschäftsmodell zusammen.”