TikTok hat in den letzten Wochen massiv gegen Desinformationskampagnen vorgegangen. Nach eigenen Angaben sperrte das Unternehmen seit Dezember mehr als 300 Accounts, die ungarische Wahlkandidaten und Amtsträger imitierten. Parallel dazu wurden sechs geheime Influencernetzwerke dismantelt — die meisten verbreiteten pro-Fidesz-Narrative, einige kleinere zielten mit Orbán-kritischen Inhalten auf ungarische Nutzer ab. Hunderte impersonierender Accounts und tausende Videos, die gegen Wahlrichtlinien verstießen, wurden ebenfalls entfernt.
Die Fakten-Checker-Plattform Lakmusz dokumentierte weit verbreitete Falschmeldungen über Oppositionsführer Magyar, darunter Behauptungen über geplante “Coups” und Zwangsmilitärdienste. Besonders alarmierend: Die Desinformationsmuster ähneln früheren Operationen, die Russland zugeordnet werden — koordinierte Messaging und täuschende Online-Infrastruktur sind typische Merkmale.
Parallel zu Tikoks Aktion berichtete das Investigativmedium Direkt36 von einem “gut organisierten Angriff” auf die IT-Systeme der Tisza-Partei. Nachdem Parteimitglieder dies offenlegen wollten, eröffneten Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen diese Personen. Regierungssprecher Zoltán Kovács beschuldigte die ukrainische Intelligenz — ohne Belege zu liefern. Die IT Army der Ukraine dementierte jede Beteiligung.
Die Kampagnen verdeutlichen ein systemisches Problem: Ungarn ist zum Schauplatz konkurrierender Desinformationskräfte geworden. Während TikTok pro-Fidesz-Netzwerke räumte, dokumentierten Rechercheure gleichzeitig “Troll-Farmen” für Fidesz und KI-generierte Inhalte gegen die Opposition. Meta versicherte, keine Einschränkungen gegen Orbáns Accounts vorgenommen zu haben.
Die Wahl am Sonntag wird als geopolitisch bedeutsam für die EU und die Ukraine-Politik eingestuft. Orbáns engere Bindungen zu Russland stellen eine Trennlinie im Wahlkampf dar — mit potenziellen Auswirkungen auf EU-Entscheidungen zu Sanktionen und militärischer Hilfe für die Ukraine.
