Die Wahl gilt vielen Beobachtern als ernsthafteste Herausforderung für Orbán, der seit 2010 regiert. Sein wichtigster Rivale Magyar, ein früherer Fidesz-Insider, hat laut Reuters Oppositionswähler hinter sich versammelt und liegt in einigen Umfragen vorn. Mehr als ein Viertel der Wähler ist demnach noch unentschlossen.

Ungarische Faktenprüfer und Forscher berichten von irreführenden oder fabrizierten politischen Inhalten, die sich im Wahlkampf vielfach gegen Magyar richteten. Das Faktencheck-Portal Lakmusz dokumentierte falsche Erzählungen über den Oppositionsführer auf gefälschten Webseiten, die seriöse Quellen imitierten – darunter die Behauptung, Magyar plane bei einer Niederlage einen „Putsch", und seine Partei wolle die Wehrpflicht wieder einführen. Lakmusz sah Ähnlichkeiten zu früheren Einflussoperationen, die Forscher mit russischen Akteuren in Verbindung gebracht hätten, legte aber keinen direkten Beweis für eine Steuerung durch den Kreml vor.

Das Recherchemedium Direkt36 berichtete zudem über eine nach eigener Darstellung „gut organisierte Operation" gegen die IT-Systeme der Tisza-Partei. Personen mit Verbindung zur Partei hätten versucht, die Aktivität aufzudecken; daraufhin hätten die Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen diese Personen eröffnet und Wohnungen von IT-Fachleuten durchsucht, die die Partei unterstützten. Die vollständige Grundlage der Ermittlungen legten die ungarischen Behörden öffentlich nicht dar. Regierungssprecher Zoltán Kovács erklärte in sozialen Medien, der ukrainische Geheimdienst sei in Zusammenarbeit mit Oppositionsmitgliedern und einem Journalisten verantwortlich – ohne Belege. Die IT Army of Ukraine wies gegenüber Recorded Future News alle Vorwürfe einer Beteiligung zurück.

Fidesz-Wahlkampfchef Balázs Orbán warf den Plattformen vor, Wahlkampfmaterial zu unterdrücken, und behauptete laut Euro News, manche Nutzer hätten Fidesz-Inhalte auf Facebook in den vergangenen Tagen nicht mit „Gefällt mir" markieren können. Faktenprüfer bestritten diese Darstellung. Umgekehrt identifizierte das unabhängige Portal Telex „Trollfarm"-Netzwerke zugunsten der Fidesz; regierungskritische Gruppen berichteten von KI-generierten Inhalten gegen die Opposition. Ein Meta-Sprecher erklärte, es gebe „keine Beschränkungen für die Konten des Ministerpräsidenten" und es seien keine Beiträge entfernt worden.

Bei einem Besuch in Budapest in dieser Woche warf US-Vizepräsident JD Vance der Europäischen Union Einmischung in die Wahl vor und unterstützte Orbán – was Oppositionsvertreter als unangemessenen Eingriff kritisierten. Ungarns Verhältnis zu Russland wurde zum zentralen Wahlkampfthema: Orbán pflegt engere Bindungen zu Moskau als die meisten EU-Staats- und Regierungschefs, darunter langfristige Energieabkommen, und stellte sich gegen einzelne EU-Maßnahmen zugunsten der Ukraine.

Laut von Politico berichteten Dokumenten vereinbarten Ungarn und Russland einen Zwölf-Punkte-Plan zu Energie, Bildung und kulturellen Beziehungen. Die New York Times bezeichnete Orbáns Haltung zu Russland und zum Krieg in der Ukraine als prägende Trennlinie des Wahlkampfs und zitierte den Analysten Péter Krekó, wonach Ungarns Verhältnis zu Moskau eher „offene russische Kooperation" als verdeckte Einflussnahme widerspiegele. Die Ungarn wählen am Sonntag.