Nach Darstellung der russischen Sicherheitsdienste soll der Beschuldigte mit Organisationen zusammengearbeitet haben, die die Behörden als „anti-russische Menschenrechtsorganisationen" bezeichneten. Nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine habe er „eine klar pro-ukrainische Position" eingenommen. Radio Free Europe äußerte sich öffentlich nicht zu der Festnahme.

Der Sender steht in Russland seit Jahren unter Druck: 2020 stufte das russische Justizministerium Radio Liberty als „ausländischen Agenten" ein, 2025 erklärte die Staatsanwaltschaft das Medium zur „unerwünschten Organisation" und untersagte damit faktisch seine Tätigkeit im Land. Radio Free Europe/Radio Liberty ist ein vom US-Staat finanzierter Sender, der ursprünglich mit Fokus auf die Sowjet-Satellitenstaaten gegründet wurde.

Ebenfalls am Donnerstag durchsuchten russische Sicherheitskräfte die Redaktion der Nowaja Gaseta in Moskau, wie die Zeitung mitteilte. Einen Grund nannten die Behörden nicht. Eine von der staatlichen Agentur RIA Nowosti zitierte Quelle aus den Sicherheitsbehörden brachte die Aktion mit Ermittlungen zur unrechtmäßigen Nutzung personenbezogener Daten in Verbindung. Eine weitere Quelle erklärte gegenüber der Agentur TASS, die Ermittler prüften mögliche Verbindungen der Nowaja Gaseta zur Nowaja Gaseta Europe — einem in Russland als „unerwünscht" eingestuften Medium — sowie zum Anti-Kriegs-Komitee Russlands, das Moskau als terroristische Organisation einordnet.

Der Fall reiht sich in eine Serie von Ermittlungen ein, die an Aktivitäten auf dem Messenger Telegram anknüpfen. In diesem Monat nahmen russische Sicherheitskräfte in der besetzten Stadt Sewastopol einen Einwohner fest, der über die Plattform zu Terrorismus und Extremismus aufgerufen haben soll.

Seit Februar haben die russischen Behörden zudem mindestens drei Strafverfahren im Zusammenhang mit Telegrams virtueller Währung Telegram Stars eröffnet. Die Ermittler werfen den Beschuldigten vor, damit in Russland verbotene Organisationen finanziell unterstützt zu haben, darunter die Legion „Freiheit Russlands", eine Einheit russischer Kämpfer aufseiten der ukrainischen Streitkräfte. In einem weiteren Fall verhafteten die Behörden einen 21-jährigen Tech-Unternehmer und IT-Sicherheitsspezialisten in Moskau wegen Landesverrats, nachdem dieser auf seinem Telegram-Kanal die staatliche Gesetzgebung gegen Cyberkriminalität und die staatlich geförderte Messaging-App Max kritisiert hatte.

Russische Stellen versuchen zunehmend, Telegram einzuschränken, das im Land weiterhin verbreitet ist. Telegram-Gründer Pawel Durow erklärte kürzlich, trotz der Versuche des Kremls, den Dienst zu blockieren oder zu begrenzen, nutzten täglich rund 65 Millionen Russen die App — oft über virtuelle private Netzwerke. „Die gesamte Nation ist nun mobilisiert, um diese absurden Beschränkungen zu umgehen", so Durow. „Wir unsererseits werden uns weiter anpassen und den Datenverkehr von Telegram schwerer erkennbar und blockierbar machen."