Die neue Initiative markiert einen Wendepunkt in der amerikanischen Cybersecurity-Strategie. Bislang teilte das US-Finanzministerium operative Bedrohungsinformationen primär mit etablierten Finanzinstituten – Kryptofirmen blieben außen vor. Jetzt erhalten “berechtigte” digitale Vermögensverwalter Zugang zu denselben Echtzeitdaten über Angriffsmuster, Schwachstellen und Threat-Actor-Aktivitäten.
Cory Wilson, Deputy Assistant Secretary für Cybersecurity, betont die Dringlichkeit: “Cyber-Bedrohungen gegen Digital-Asset-Plattformen werden immer häufiger und raffinierter.” Die Zahlen unterstreichen dies eindrucksvoll. Über fünf Jahre hinweg verlor die Kryptobranche Milliarden Dollar. 2024 allein waren es 3,4 Milliarden Dollar – ein neuer Negativrekord.
Der Anlass ist aktuell: Im März 2025 erschütterte die Drift-Pleite die Branche. Nordkoreanische Hacker infiltrierten die Plattform und entzogen 280 Millionen Dollar. Wenige Tage später meldete Bitcoin Depot einen 3,6-Millionen-Dollar-Diebstahl. Zudem gab es Anschläge mit 26- und 40-Millionen-Dollar-Schäden. Das US-Justizministerium signalisiert zugleich Entschlossenheit mit verschärften Anklagen gegen Cyberkriminelle und staatliche Akteure.
Doch Fragen bleiben offen: Welche Unternehmen gelten als “berechtigt”? Dezentralisierte Finanzplattformen? Kleine Börsen? Das Treasury lieferte keine Antwort. Experten vermuten eine selektive Vergabe – große, regulierte Anbieter haben bessere Chancen.
Paradox der Politik: Während Treasury Daten mit der Kryptobranche teilen will, kürzt die Trump-Administration massiv in die Cybersecurity-Infrastruktur. Das Budget der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) soll um 707 Millionen Dollar sinken, mit explizitem Fokus auf “externe Engagement-Programme” – also genau jene Threat-Sharing-Kanäle, die Bundesländer und andere Branchen nutzen.
Die Kryptobranche hofftnun, dass bessere Sichtbarkeit in Echtzeit dazu führt, Angriffe früher zu erkennen und Kodierungsfehler zu fixen, bevor Hacker sie ausnutzen. Klar ist: Nordkoreanische Threat-Actor haben die Kryptobranche als lukratives Ziel erkannt und werden nicht aufhören, solange Gewinne locken.
