Die aktuelle Bedrohungslage zeigt ein alarmierende Muster: Iranische APT-Gruppen haben ihre Angriffskampagnen gegen kritische Infrastrukturen deutlich intensiviert. Nach Informationen des FBI liegt die Fokussierung auf Rockwell Automation/Allen-Bradley PLCs vor – Geräten, die in der Industrie-Automatisierung weltweit zum Standard gehören. Die Angreifer gelangen an sensitive Projektdateien heran und manipulieren Anzeigen in HMI- und SCADA-Systemen, was zu erheblichen Betriebsstörungen führt.
Die Expositionsanalyse des Cybersecurity-Unternehmens Censys wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslücken: Von 5.219 identifizierten internetexponierten Rockwell-Automation-Geräten weltweit befinden sich 3.891 Geräte (74,6%) in den USA. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass ein großer Teil dieser Geräte über Mobilfunk-Modems mit dem Internet verbunden ist – typisch für dezentral einsatzorte Feldsysteme. Dies macht sie für Fernzugriffe besonders anfällig.
Dies ist nicht das erste Mal, dass iranische Hackergruppen gezielt Industriesteuerungen angreifen. Die Gruppe CyberAv3ngers, die dem Islamischen Revolutionsgarde-Korps (IRGC) zugeordnet wird, hatte bereits 2023 und 2024 mindestens 75 Unitronics-PLC-Systeme kompromittiert – etwa die Hälfte davon in Wasser- und Abwassersystemen. Noch aktueller ist der Angriff der Handala-Hacktivistengruppe auf den Medizintechnik-Konzern Stryker, bei dem approximately 80.000 Geräte aus dem Netz genommen wurden.
Zum Schutz empfehlen Behörden mehrere Maßnahmen: PLCs sollten hinter Firewalls platziert oder ganz vom Internet getrennt werden. Administratoren sollten Logs systematisch nach Anzeichen böswilliger Aktivität durchsuchen und den Datenverkehr auf Industrieports überwachen – besonders auf Zugriffe von ausländischen Hosting-Providern. Mehrstufige Authentifizierung (MFA) ist für den Zugang zu OT-Netzen obligatorisch. Zusätzlich sollten alle Geräte auf dem aktuellen Stand gehalten und nicht benötigte Services deaktiviert werden.
Für deutsche Unternehmen in der Industrie, Energie und Infrastruktur ist dies eine Weckruf. Während die gegenwärtige Kampagne primär US-Ziele im Visier hat, zeigen die wiederholten iranischen Angriffe auf amerikanische Kritische Infrastrukturen ein systematisches Muster. Deutsche Betreiber sollten ihre Rockwell-Automation-Systeme überprüfen und die empfohlenen Schutzmaßnahmen implementieren – vor allem, um nicht zum Kollateralschaden geopolitischer Konflikte zu werden.
