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Claude Mythos: Anthropic stellt KI vor, die Sicherheitslücken findet und ausnutzt

Claude Mythos: Anthropic stellt KI vor, die Sicherheitslücken findet und ausnutzt
Zusammenfassung

Anthropic hat am 7. April das KI-Modell Claude Mythos Preview vorgestellt, das Sicherheitsexperten besonders beeindrucken soll: Es kann Zero-Day-Vulnerabilities in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern automatisch identifizieren und ausnutzen – teilweise ohne tiefgreifende Sicherheitskenntnisse des Nutzers. Das Unternehmen demonstrierte komplexe Exploits, etwa einen Safari-Exploit, der vier Sicherheitslücken miteinander verkettet, oder Privilege-Escalation-Angriffe unter Linux. Diese Fähigkeiten entstanden als Nebeneffekt der Verbesserung von Mythos' Code- und Reasoning-Capabilities. Während Anthropic das Modell zur Verteidigung gegen Cyberangriffe einsetzen möchte und es über die Initiative „Project Glasswing" mit 40 Organisationen teilt, bleibt eine zentrale Frage offen: Wie lässt sich verhindern, dass Cyberkriminelle ähnliche Technologien missbrauchen? Deutsche Unternehmen und Behörden müssen sich auf ein neues Bedrohungsszenario vorbereiten, in dem KI-gestützte Exploits schneller entwickelt werden könnten. Dies erfordert eine grundlegende Neuausrichtung von Vulnerability-Management-Prozessen, schnellere Patch-Zyklen und erweiterte Erkennungsmechanismen.

Das Spannungsfeld zwischen Innovation und Sicherheit wird bei Claude Mythos besonders deutlich. Anthropic betont, dass die Exploit-Schreib-Fähigkeiten eine unbeabsichtigte Konsequenz verbesserter Code- und Reasoning-Capabilities sind. Doch genau diese Doppelnutzung – die gleichen Verbesserungen helfen sowohl beim Patchen als auch beim Exploiten von Sicherheitslücken – birgt erhebliche Risiken.

Um diese zu minimieren, startete Anthropic parallel zu Mythos die Initiative “Project Glasswing” in Zusammenarbeit mit Tech-Giganten wie Apple, AWS, Microsoft, Palo Alto Networks und CrowdStrike. Über 40 Organisationen erhalten Zugang zu Mythos Preview, um ihre Systeme zu sichern. Anthropic investiert 100 Millionen Dollar in Nutzungsguthaben und spendet weitere 4 Millionen Dollar an Open-Source-Sicherheitsorganisationen.

Doch Sicherheitsexperten bleiben skeptisch. Erik Nost von Forrester warnt: “Es ist ein Wettrennen für Verteidiger, um Patches einzuspielen, bevor andere KI-Systeme in falschen Händen diese Zero-Days entdecken und schnell Exploits schreiben.” Julian Totzek-Hallhuber von Veracode geht noch weiter – er empfiehlt Unternehmen, davon auszugehen, dass die Fähigkeit proliferieren wird. Die Konsequenz: Mehr Investitionen in Anomalie-Erkennung, Zero-Trust-Architekturen und aggressive Patch-Zyklen.

Ein grundlegendes Problem bleibt ungelöst: Melissa Ruzzi von AppOmni spricht eine unbequeme Wahrheit aus – niemand kann verhindern, dass Cyberkriminelle Zugang zu solchen Tools bekommen. Man kann es ihnen nur schwerer machen.

Zusätzlich kritisieren Experten die beschränkte Verfügbarkeit von Mythos. Ohne öffentlichen Zugang können unabhängige Forscher die Behauptungen Anthropics nicht überprüfen. Totzek-Hallhuber warnt: “Anthropic kontrolliert sowohl das Modell als auch die Narrative. Gesunde Skepsis ist angebracht.” Anthropic antwortet bislang nicht auf Fragen zu Fehlerquoten und False-Positive-Raten – ein Informationsvakuum, das für Kritiker problematisch ist.