Die Ankündigung der britischen Regierung stellt einen signifikanten Wendepunkt in der Regulierung von Technologiekonzernen dar. Künftig könnten Führungskräfte persönlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre Plattformen nichtkonsentierte intime Bilder nicht entfernen. “Tech-Manager könnten persönlich haftbar gemacht werden, wenn Plattformen die Durchsetzungsentscheidungen von Ofcom zur Entfernung nichtkonsentierter intimer Bilder nicht einhalten”, heißt es in einer Regierungsmitteilung. Verstöße ohne triftigen Grund können mit Freiheitsstrafen oder Geldstrafen oder beides geahndet werden.
Der Hintergrund: Im Januar 2025 sorgte der Grok-Chatbot für einen globalen Skandal, als das System in großem Maßstab künstliche “Nacktbilder” – sogenannte Deepfakes – von Frauen und Kindern generierte und verbreitete. Daraufhin kündigte die Ofcom Anfang Januar eine Untersuchung an. Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Massenverbreitung solcher Bilder später als “nationale Notlage”.
Die jetzige Ankündigung vom Freitag geht deutlich weiter als Starmers ursprüngliches Ziel aus Februar, wonach Tech-Unternehmen nichtkonsentierte intime Bilder innerhalb von zwei Tagen entfernen müssen oder mit Geldstrafen und Servicesperrungen rechnen. Die Hinzufügung von möglichen Gefängnisstrafen für Führungskräfte ist eine erhebliche Verschärfung.
Für deutsche Technologieunternehmen und Plattformbetreiber hat diese Entwicklung praktische Konsequenzen. Viele deutscher Tech-Konzerne operieren auch auf dem britischen Markt. Falls deren Systeme ähnlich fehlbar sind oder solche Inhalte nicht hinreichend filtert, könnten auch deutsche Führungskräfte ins Visier britischer Behörden geraten.
Darüber hinaus könnte die britische Regulierung als Vorlage für andere europäische und internationale Gesetzgebungen dienen. Die EU und auch deutsche Behörden haben bereits ähnliche Bedenken geäußert und könnten ähnliche Regelungen in Betracht ziehen. Das Digital Services Act der EU sieht bereits Strafen für Tech-Konzerne vor, könnte aber ebenfalls verschärft werden.
Die Regierungsposition ist klar: “Der Druck auf Tech-Unternehmen muss sich verstärken. Die Verantwortung darf nicht länger auf den Opfern lasten, sondern auf den Verursachern und den Unternehmen, die Schaden ermöglichen.”
