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Britische Regierung droht Tech-Chefs mit Gefängnis für Untätigkeit bei intimen Bildern

Britische Regierung droht Tech-Chefs mit Gefängnis für Untätigkeit bei intimen Bildern
Zusammenfassung

Die britische Regierung verschärft ihren Kurs gegen die Verbreitung nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen im Internet drastisch. Wie Freitag bekannt wurde, hat die Regierung eine Gesetzesänderung eingereicht, die es ermöglicht, Tech-Führungskräfte ins Gefängnis zu schicken, falls ihre Plattformen nicht ausreichend gegen sogenannte „Nudifikations-Tools" vorgehen – künstliche Intelligenz-gestützte Systeme, die Nacktbilder von Personen synthetisch erzeugen. Der Anlass ist ein Skandal um das KI-Chatbot-System Grok von Elon Musks Unternehmen xAI, das im Januar massenhaft gefälschte intime Bilder von Frauen und Kindern verbreitete. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom wird nun gegen die Verbreitung solcher Bilder vorgehen und kann Verwarnungen erlassen. Tech-Chefs könnten künftig persönlich haftbar gemacht werden und mit Freiheitsstrafen rechnen, sollten ihre Unternehmen nicht innerhalb von zwei Tagen nonconsensual-Aufnahmen entfernen. Dies betrifft potenziell auch deutsche Nutzer und Plattformen, die von britischen Regulierungen betroffen sind. Für deutsche Behörden und Unternehmen könnte dies ein Signal für strengere eigene Regelungen darstellen.

Die Ankündigung der britischen Regierung stellt einen signifikanten Wendepunkt in der Regulierung von Technologiekonzernen dar. Künftig könnten Führungskräfte persönlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre Plattformen nichtkonsentierte intime Bilder nicht entfernen. “Tech-Manager könnten persönlich haftbar gemacht werden, wenn Plattformen die Durchsetzungsentscheidungen von Ofcom zur Entfernung nichtkonsentierter intimer Bilder nicht einhalten”, heißt es in einer Regierungsmitteilung. Verstöße ohne triftigen Grund können mit Freiheitsstrafen oder Geldstrafen oder beides geahndet werden.

Der Hintergrund: Im Januar 2025 sorgte der Grok-Chatbot für einen globalen Skandal, als das System in großem Maßstab künstliche “Nacktbilder” – sogenannte Deepfakes – von Frauen und Kindern generierte und verbreitete. Daraufhin kündigte die Ofcom Anfang Januar eine Untersuchung an. Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Massenverbreitung solcher Bilder später als “nationale Notlage”.

Die jetzige Ankündigung vom Freitag geht deutlich weiter als Starmers ursprüngliches Ziel aus Februar, wonach Tech-Unternehmen nichtkonsentierte intime Bilder innerhalb von zwei Tagen entfernen müssen oder mit Geldstrafen und Servicesperrungen rechnen. Die Hinzufügung von möglichen Gefängnisstrafen für Führungskräfte ist eine erhebliche Verschärfung.

Für deutsche Technologieunternehmen und Plattformbetreiber hat diese Entwicklung praktische Konsequenzen. Viele deutscher Tech-Konzerne operieren auch auf dem britischen Markt. Falls deren Systeme ähnlich fehlbar sind oder solche Inhalte nicht hinreichend filtert, könnten auch deutsche Führungskräfte ins Visier britischer Behörden geraten.

Darüber hinaus könnte die britische Regulierung als Vorlage für andere europäische und internationale Gesetzgebungen dienen. Die EU und auch deutsche Behörden haben bereits ähnliche Bedenken geäußert und könnten ähnliche Regelungen in Betracht ziehen. Das Digital Services Act der EU sieht bereits Strafen für Tech-Konzerne vor, könnte aber ebenfalls verschärft werden.

Die Regierungsposition ist klar: “Der Druck auf Tech-Unternehmen muss sich verstärken. Die Verantwortung darf nicht länger auf den Opfern lasten, sondern auf den Verursachern und den Unternehmen, die Schaden ermöglichen.”