Den Citizen-Lab-Forschern Wolfie Christl, Astrid Perry, Luis Fernando Garcia, Siena Anstis und Ron Deibert zufolge wird Webloc als Zusatzprodukt zum Social-Media- und Web-Intelligence-System Tangles verkauft. Das System wertet aus mobilen Apps und der digitalen Werbung gekaufte Daten aus, um das Verhalten und die Bewegungen Hunderter Millionen Menschen zu analysieren. Cobwebs Technologies stellte die Plattform im Oktober 2020 offiziell vor und beschrieb sie als eine Lösung, die Webdaten mit geografischen Datenpunkten verknüpft und über interaktive Kartenebenen die digitale mit der physischen Welt verbindet.
Laut Angaben auf der Website von Penlink dient Webloc dazu, standortbezogene Daten zur Unterstützung von Ermittlungen zu erfassen und zu interpretieren. Das System kann zudem Standorte aus IP-Adressen ableiten und die Personen hinter den Geräten identifizieren, indem es deren Wohn- und Arbeitsadressen zusammenträgt.
Zu den US-amerikanischen Kunden zählen die Einwanderungsbehörde ICE, das US-Militär, das Texas Department of Public Safety, das DHS in West Virginia, Staatsanwaltschaften in New York City sowie Polizeibehörden in Los Angeles, Dallas, Baltimore, Tucson und Durham und in kleineren Städten und Bezirken wie der City of Elk Grove und Pinal County.
Cobwebs Technologies gehörte zu den sieben Söldnerfirmen im Cyberbereich, die Meta im Dezember 2021 von seinen Plattformen verbannte. Das Unternehmen soll rund 200 Konten betrieben haben, um Ziele auszukundschaften und durch Social Engineering in geschlossene Communitys und Foren einzudringen sowie Personen zur Preisgabe persönlicher Daten zu verleiten. Meta hatte damals Kunden von Cobwebs in Bangladesch, Hongkong, den USA, Neuseeland, Mexiko, Saudi-Arabien und Polen identifiziert. Neben der Strafverfolgung habe man häufig auch Aktivisten, Oppositionspolitiker und Regierungsvertreter in Hongkong und Mexiko als Ziele beobachtet.
Berichte von 404 Media, Forbes und dem Texas Observer haben aufgezeigt, dass sich Webloc zur Verfolgung von Telefonen ohne Durchsuchungsbeschluss einsetzen lässt. Eine Ausschreibungsunterlage hob die Fähigkeit des Werkzeugs hervor, eindeutige mobile Werbekennungen, geolokalisierte IP-Adressen und verbundene Geräte automatisiert und fortlaufend zu überwachen.
Eine Auswertung von Unternehmensunterlagen und weiteren öffentlichen Informationen ergab, dass Cobwebs Technologies über Omri Timianker, Gründer und früherer Präsident der Firma, Verbindungen zum israelischen Spyware-Anbieter Quadream aufweist. Timianker verantwortet inzwischen die internationalen Aktivitäten von Penlink; Quadream soll seinen Betrieb 2023 eingestellt haben.
Insgesamt wurden bis zu 219 aktive Server identifiziert, die mit Cobwebs-Produkten in Verbindung stehen. Die meisten befinden sich in den USA (126), gefolgt von den Niederlanden (32), Singapur (17), Deutschland (8), Hongkong (8) und dem Vereinigten Königreich (7).
Penlink erklärte zu dem Bericht, dessen Erkenntnisse beruhten offenbar auf ungenauen Informationen oder einem Missverständnis über die Arbeitsweise des Unternehmens, einschließlich Praktiken, die Penlink seit der Übernahme von Cobwebs Technologies 2023 nicht anwende. Man halte zudem die Datenschutzgesetze der US-Bundesstaaten ein.
