Der Sicherheitsverstoß bei Rockstar Games folgt einem bekannten Muster der modernen Cyberkriminalität: Hacker kompromittieren den Schwächsten in der Lieferkette, um größere Ziele zu erreichen. In diesem Fall war Anodot, ein Unternehmen für Anomalieerkennung in Datenströmen, das Einfallstor. Die Angreifer stahlen Authentifizierungs-Token und nutzten diese, um sich in Snowflake-Umgebungen einzuloggen — eine Cloud-Datenbank-Plattform, die viele große Unternehmen nutzen.
Die ShinyHunters-Gruppe präsentiert stolz ihre Beute auf ihrer öffentlichen Leak-Website: Interne Analytics-Daten von Rockstar Games, einschließlich Echtgeld-Transaktionen aus den Online-Spielmodi, Spielerverhalten-Tracking und Game-Economy-Daten. Auch Informationen aus dem Zendesk-Support-System des Unternehmens sind Teil des Lecks. Besonders bemerkenswert sind Referenzen zu Betrugserkennung und Anti-Cheat-Systemen.
Rockstar Games selbst spielte den Vorfall herunter. In einer Stellungnahme gegenüber dem Kotaku-Magazin bestätigte das Unternehmen zwar den Bruch, sprach aber von “begrenzt nicht-wesentlichen” Informationen ohne Auswirkungen auf Spieler oder die Organisation. Eine offizielle Mitteilung zu BleepingComputer blieb aus — ein typisches Reaktionsmuster bei großen Unternehmen, die Reputationsschäden vermeiden wollen.
Der Zwischenfall ist Teil einer größeren Kampagne. ShinyHunters behauptet, Daten von Dutzenden Unternehmen über die Anodot-Lücke erbeutet zu haben. Snowflake erkannte die ungewöhnliche Aktivität und sperrte betroffene Kundenkonten schnell ab, eine Reaktion, die Cybersicherheits-Experten als professionell bewerten.
Für deutsche Unternehmen ist dies eine eindringliche Lektion: Die Sicherheit der eigenen Systeme hängt auch von der Sicherheit der Integrations-Partner ab. Cloud-Umgebungen wie Snowflake, Amazon S3 und Kinesis sind Ziele von Wert. Wer solche Dienste nutzt, sollte Anbieter wie Anodot kritisch prüfen — sowohl hinsichtlich ihrer Sicherheitsmaßnahmen als auch ihrer Fähigkeit, Vorfälle schnell zu erkennen und zu bekämpfen.
Für Rockstar Games ist es nicht das erste Mal: 2022 hackte die Lapsus$-Gruppe Videos und Quellcode von Grand Theft Auto 6. Nun zeigt sich: Große Publisher sind attraktive Ziele — nicht nur für Quellcode und Spielinhalte, sondern auch für geschäftskritische Betriebsdaten.
