Die Untersuchung der Molly Rose Foundation und einer australischen Jugendforschungsagentur beruht auf einer Befragung von 1.050 Kindern. Demnach behielten TikTok und YouTube jeweils 53 Prozent ihrer bisherigen jungen Nutzer, Instagram 52 Prozent. Der zentrale Grund liegt dem Bericht zufolge nicht in technischer Findigkeit der Kinder, sondern auf Seiten der Anbieter: Diese hätten es versäumt, die betreffenden Konten überhaupt zu identifizieren und zu löschen. Die Befragten gaben an, die Plattformen ohne jede Umgehungsmaßnahme weiter erreicht zu haben.

Andy Burrows, Geschäftsführer der Molly Rose Foundation, ordnete die Befunde kritisch ein: Die Ergebnisse warfen erhebliche Fragen zur Wirksamkeit des australischen Verbots auf und zeigten, dass es für Großbritannien ein riskantes Wagnis wäre, diesem Beispiel nun zu folgen. Eltern und Kinder hätten Besseres verdient als ein fehlerhaftes Verbot, das ein trügerisches Sicherheitsgefühl vermittle, welches sich rasch auflöse.

Die Stiftung fordert stattdessen eine Überarbeitung des britischen Online Safety Act. Dieser solle um eine „systemische Sorgfaltspflicht" ergänzt werden, die Unternehmen zu weitreichenden Schutzregeln verpflichtet – darunter die Durchsetzung von Altersgrenzen und das Entfernen jugendgefährdender Inhalte. Zudem solle die Regierung die regulatorischen Anreize zugunsten der Schadensminderung neu ausrichten und das Aufsichtsregime stärker auf die Größe und die finanzielle Schlagkraft der weltweit größten Konzerne zuschneiden.

In Großbritannien prüft die Regierung nach eigenen Angaben seit Januar, wie sich Kinder unter 16 Jahren von sozialen Medien fernhalten lassen. In jüngster Zeit erprobt sie in einem Pilotprogramm verschiedene Reformansätze. Die zugehörige Konsultation begann Anfang März und läuft bis zum 26. Mai; eine Entscheidung über die nächsten Schritte wird kurz darauf erwartet. Premierminister Keir Starmer erklärte im Januar, Kindsein dürfe nicht bedeuten, ständig von Fremden beurteilt zu werden oder unter dem Druck zu stehen, für Likes performen zu müssen.

Auch andere europäische Staaten treiben Beschränkungen voran. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis kündigte an, seine Regierung werde Kindern unter 15 Jahren ab dem 1. Januar 2027 die Nutzung sozialer Medien untersagen. In Frankreich stimmte der Senat am 2. April für ein Verbot für unter 15-Jährige, nachdem die Nationalversammlung im Januar ein ähnliches Gesetz verabschiedet hatte; da sich beide Vorlagen leicht unterscheiden, muss noch ein Kompromiss gefunden werden.

Das Europäische Parlament schlug im November eine unverbindliche Resolution vor, wonach Kinder bis einschließlich 15 Jahren Video-Plattformen, soziale Medien oder KI-Begleiter nur mit Zustimmung der Eltern nutzen sollten; Kinder unter 13 Jahren sollten unabhängig von einer elterlichen Zustimmung ganz ausgeschlossen bleiben. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte im Februar, seine Regierung werde Kindern unter 16 den Zugang sperren, während die niederländische Regierung etwa zeitgleich ein Verbot für unter 15-Jährige in Aussicht stellte.