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Australiens Sozialmedien-Verbot gescheitert: Mehrheit der Jugendlichen nutzt Apps weiterhin

Australiens Sozialmedien-Verbot gescheitert: Mehrheit der Jugendlichen nutzt Apps weiterhin
Zusammenfassung

# Australiens gescheitertes Social-Media-Verbot zeigt Risiken für Europa und Deutschland Australien hat im Dezember ein Verbot für Social-Media-Nutzer unter 16 Jahren eingeführt – doch eine neue Studie der britischen Molly Rose Foundation offenbart ein erschreckendes Scheitern: 61 Prozent der betroffenen Kinder zwischen 12 und 15 Jahren können weiterhin ungehindert auf Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube zugreifen. Die Forschung zeigt, dass die meisten Jugendlichen ihre Accounts nicht einmal löschen mussten, da die Plattformen versäumten, diese zu identifizieren und zu entfernen. Während Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Niederlande ähnliche Verbote planen und Griechenland sogar ein Verbot ab 2027 ankündigte, warnen Experten vor dieser Herangehensweise. Für Deutschland und europäische Nutzer ist diese Entwicklung hochrelevant: Sie zeigt die Grenzen von reinen Altersgrenzen-Bans und unterstreicht die Notwendigkeit stärkerer technischer Kontrollen und regulatorischer Maßnahmen. Statt einfacher Verbote fordern Experten ein „Duty of Care" für Konzerne, das echte Altersverifikation und Sicherheitsmechanismen verpflichtend macht. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die laufende Debatte um Jugendschutz im Netz in Deutschland und Europa.

Die Studie basiert auf der Befragung von über 1.050 australischen Kindern und liefert ernüchternde Erkenntnisse für Befürworter von Altersverboten. Während TikTok und YouTube 53 Prozent ihrer jungen Nutzer behielten, gelang es Instagram, 52 Prozent der unter 16-Jährigen an der Plattform zu halten. Das Kernproblem: “Die Plattformen haben ihre Konten in vielen Fällen gar nicht erst identifiziert und gelöscht”, heißt es in dem Forschungsbericht. Die Kinder berichten, dass sie ohne Workarounds oder technische Umgehungsmechanismen Zugang zu den Diensten haben – einfach, weil die Altersverifikation nicht funktioniert oder gar nicht erst stattgefunden hat.

Andy Burrows, Geschäftsführer der Molly Rose Foundation, warnt vor weiteren Altersverboten nach australischem Vorbild: “Diese Ergebnisse werfen erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit des australischen Verbots auf und zeigen, dass es ein hochriskantes Glücksspiel für Großbritannien wäre, dem jetzt nachzueifern.” Statt symbolische Verbote zu erlassen, fordert die Stiftung ein Umdenken in der Regulierung. Das britische Online Safety Act sollte ein systemeisches “Duty of Care” verankern – eine verbindliche Sorgfaltspflicht, die Plattformen verpflichtet, strenge Sicherheitsmaßnahmen einzuführen und Altersrestriktionen tatsächlich durchzusetzen.

Inzwischen treiben mehrere europäische Länder ihre eigenen Regulierungsvorhaben voran. Frankreich hat im April einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Kindern unter 15 Jahren Social Media verbietet. Griechenland plant ein Verbot für unter 15-Jährige ab Januar 2027. Spanien und die Niederlande folgen mit ähnlichen Plänen. Das Vereinigte Königreich führt derzeit Pilotprogramme durch, um Maßnahmen zu testen.

Für Deutschland ist dieser internationale Trend bemerkenswert. Die Debatte um Mindestalter und Jugendschutz in digitalen Räumen wird auch hierzulande intensiver. Die australischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass reine Altersverbote ohne strikte Durchsetzungsmechanismen wirkungslos bleiben. Die Molly Rose Foundation fordert daher nicht nur Verbote, sondern echte regulatorische Reformen: Plattformen müssen zur Verantwortung gezogen werden, ihre Geschäftsmodelle müssen sich ändern, und die Durchsetzung von Altersverifikation muss mit echten Konsequenzen verbunden sein. Ohne diese tiefergehenden Veränderungen, so die klare Botschaft aus Australien, ist auch das beste Verbot nur Augenwischerei.