Die alljährliche Benchmarking-Studie von OX Security zeichnet ein beunruhigendes Bild der aktuellen Sicherheitslage in der Softwareentwicklung. Zum zweiten Mal in Folge hat das Sicherheitsunternehmen umfangreiche Daten zur Anwendungssicherheit analysiert und dabei eine deutliche Verschärfung der Situation dokumentiert.
Das zentrale Phänomen, das Experten als „Velocity Gap” bezeichnen, ist schnell erklärt: Künstliche Intelligenz und automatisierte Entwicklungswerkzeuge ermöglichen es Teams, Code in beispiellos hoher Geschwindigkeit zu produzieren. Allerdings steigt die Anzahl der dabei eingeführten kritischen Sicherheitslücken überproportional an – und die Ressourcen zur Behebung dieser Probleme sind nicht im gleichen Maße gewachsen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während die Gesamtmenge an erkannten Sicherheitsfunden um 52% gestiegen ist, explodierte der Anteil kritischer Risiken förmlich. Dieser ist von 0,035% auf 0,092% angewachsen – eine fast Verdreifachung des Anteils. Das bedeutet: Mit jeder neuen Warnmeldung werden Sicherheitsteams mit immer kritischeren Problemen konfrontiert. Die Prioritäten verschieben sich dramatisch nach oben.
Für deutsche Unternehmen, insbesondere im Fintech-, Versicherungs- und öffentlichen Sektor, ist dies eine doppelte Herausforderung. Einerseits wollen Organisationen von den Produktivitätsgewinnen moderner KI-Entwicklungstools profitieren. Andererseits müssen sie mit einer exponentiell wachsenden Anzahl kritischer Schwachstellen umgehen – unter Compliance-Druck von TISAX, IT-Sicherheitsgesetz und anderen Regulierungen.
Experten empfehlen eine Neubewertung von Sicherheitsprozessen: Statt weiterer Automatisierung von Alerts braucht es intelligentere Triage-Systeme, die wirklich kritische Risiken von Rauschen unterscheiden können. Security-Teams müssen zudem anders strukturiert werden – mit mehr Fokus auf schnelle Remediation statt auf die Bearbeitung endloser Alert-Listen.
OX Security stellt die vollständigen Ergebnisse, einschließlich detaillierter Branchen-Benchmarks und Methodologie, zur Verfügung. Die Erkenntnisse dürften Anlass für ernsthafte Diskussionen in Sicherheitsabteilungen deutschsprachiger Unternehmen geben.
