Der Krieg in der Ukraine hat Russlands Zensurapparat in Hochtouren versetzt. Was als gezielte Maßnahmen gegen einzelne Plattformen begann, entwickelt sich zur systematischen Abriegelung des westlichen Internets. Bluesky ist nun das jüngste Opfer dieser Strategie – obwohl die Plattform in Russland bislang nur eine kleine Nutzerschaft hatte.
Doch genau das macht die Blockade aufschlussreich: Aleksey Kozlyuk von RKS Global erklärt, dass Bluesky als Fluchtroute an Bedeutung gewonnen hat, nachdem X (ehemals Twitter) gesperrt und andere Plattformen zunehmend eingeschränkt wurden. “Die aufeinanderfolgende Blockade von Discord, Signal, Viber, WhatsApp und Telegram hat Nutzer zu alternativen Diensten getrieben – einschließlich Bluesky. Roskomnadzor hat das offenbar bemerkt”, sagte Kozlyuk dem Nachrichtenportal.
Die Begrenzungsstrategie ist durchsichtig: Sobald Nutzer eine neue Plattform zum Ausweichen finden, wird diese ebenfalls blockiert. Roskomnadzor begründet solche Maßnahmen routinemäßig mit Verstößen gegen russisches Recht oder Bedenken zu Betrug und Cyberkriminalität – Argumente, die westliche Experten als Vorwand bewerten.
Bluesky selbst ist mit etwa 43,7 Millionen Nutzern global noch relativ jung. Die Plattform erlebte 2024 rasantes Wachstum, nachdem viele Nutzer X nach Donald Trumps Wiederwahl verließen. Im Vergleich zu X oder Metas Threads mit jeweils mehreren hundert Millionen Nutzern bleibt Bluesky überschaubar – doch gerade das macht es für russische Zensoren interessant.
Parallel zur Blockadenserie verschärft Russland auch seine mobilen Internetüberwachung. Intermediäre Abschaltungen über Tage hinweg werden als Sicherheitsmaßnahme gerechtfertigt. Kremlin-Sprecher Dmitry Peskov nennt dies diplomatisch “temporär” und “notwendig” – wobei er freimütig zugibt: “Es ist klar, dass Internetbeschränkungen für viele Bürger unbequem sind, aber das ist jetzt die Lage.”
Die technische Realität: VPNs ermöglichen weiterhin Zugang zu Bluesky. Doch der Kreml arbeitet parallel daran, VPN-Nutzung einzuschränken. Für westliche Unternehmen und digitale Dienste ist die Botschaft deutlich – Russland baut systematisch eine digitale Grenze auf.
