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Tracking trotz Opt-out: Große Tech-Konzerne ignorieren kalifornische Datenschutzgesetze

Tracking trotz Opt-out: Große Tech-Konzerne ignorieren kalifornische Datenschutzgesetze
Zusammenfassung

# Große Tech-Konzerne ignorieren Datenschutzsignale und platzieren Tracking-Cookies trotz Ablehnung Eine neue Studie der Datenschutzorganisation webXray zeigt schwerwiegende Verstöße gegen kalifornisches Datenschutzrecht: Etwa 194 Online-Werbedienste ignorieren bewusst die Global Privacy Control (GPC), ein weltweit standardisiertes Opt-out-Signal, das Nutzer nutzen können, um ihre Verfolgung abzulehnen. Die Untersuchung kalifornischen Webverkehrs von März 2024 enthüllt, dass führende Technologieunternehmen wie Google, Microsoft und Meta systematisch Tracking-Cookies in Browsern platzieren, obwohl Nutzer ausdrücklich der Datenerfassung widersprochen haben. Google ignorierte Opt-out-Anfragen in 86 Prozent der Fälle, während Microsoft zu 50 Prozent und Meta zu 69 Prozent nicht konform waren. Das kalifornische Gesetz zum Schutz der Verbraucherinformation (CCPA) gibt Nutzern das Recht, der Verkauf ihrer persönlichen Daten zu verweigern. California hat bereits Unternehmen für solche Verstöße bestraft – Sephora zahlte 2022 eine Geldbuße von 1,2 Millionen Dollar, Disney 2024 sogar 2,75 Millionen Dollar. Diese Vorkommnisse zeigen nicht nur die Unzulänglichkeit privater Selbstregulierung, sondern werfen auch Fragen zur Durchsetzung von Datenschutzrechten in Deutschland und Europa auf.

Die Technologie-Riesen sehen sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Statt Nutzerwünsche zu respektieren, setzen sie Tracking-Cookies, obwohl Verbraucher ausdrücklich widersprochen haben. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern verstößt auch gegen geltendes Recht.

Das System hinter dem Verstoß

Das Global Privacy Control funktioniert wie ein digitales Stopsignal. Nutzer können es über Browser-Erweiterungen aktivieren und signalisieren damit: “Meine Daten sollen nicht für personalisierte Werbung genutzt werden.” Die kalifornische CCPA (California Consumer Privacy Act) verpflichtet Unternehmen, solche Signale zu respektieren. Doch wie webXray nachweist, funktioniert das in der Praxis nicht.

Besonders Google fällt negativ auf. Der Suchmaschinen-Konzern ignoriert GPC-Signale in 86 Prozent der Fälle. Das Perfide: Es geschieht nicht zufällig, sondern systematisch. Wenn Googles Server eine Opt-out-Anfrage erhält, antwortet es mit dem Befehl, ein Werbecookie namens “IDE” zu erstellen – genau das Gegenteil von dem, was der Nutzer möchte.

Microsofts und Metas Fehlverhalten

Microsoft ignoriert Opt-out-Anfragen in der Hälfte aller Fälle. Wie Google nutzt das Unternehmen ähnliche Techniken, um Cookies trotz Widerspruch zu setzen. Zwar argumentiert Microsoft, dass einige Cookies für “operative Zwecke” notwendig seien, doch diese Ausrede wirkt schwach angesichts der Häufigkeit der Verstöße.

Meta schließlich zeigt keine Gnade: 69 Prozent Missachtungsquote. Der Facebook-Konzern prüft in seinem Code nicht einmal, ob ein GPC-Signal vorliegt – er setzt einfach Cookies, speichert Daten und zieht Tracking-Events auf, was auch immer der Nutzer möchte.

Konsequenzen und Ausblick

Kalifornien zeigt, dass es nicht zahnlos ist. Sephora und Disney wurden mit Millionen-Bußgeldern belegt. Doch für europäische Nutzer bleibt die Situation unbefriedigend. Zwar gibt es mit der DSGVO strengere Regeln als in Kalifornien, doch die Durchsetzung ist schwächer.

Die Unternehmen weisen die Vorwürfe natürlich zurück. Google behauptet, dass webXray grundlegend missverstanden habe, wie die Produkte funktionieren. Meta nennt die Studie ein “Marketingmanöver”. Doch die technischen Nachweise sprechen eine andere Sprache.

Für deutsche Verbraucher ergibt sich aus dieser Situation eine wichtige Erkenntnis: Großkonzerne halten sich nicht automatisch an Datenschutzsignale. Wer seine Daten schützen möchte, sollte zusätzliche Maßnahmen ergreifen – etwa DNS-Filter, Tracking-Blocker und Privacy-fokussierte Browser-Einstellungen.