Der schwedische Minister für Zivilschutz, Carl-Oskar Bohlin, machte am Mittwoch eine prorussische Gruppe mit Verbindungen zu den russischen Sicherheits- und Geheimdiensten für einen Cyberangriff auf ein Heizkraftwerk verantwortlich. Der Angriff habe im vergangenen Jahr stattgefunden, sich gegen eine Anlage im Westen Schwedens gerichtet und sei gescheitert. Es handelte sich um die erste öffentliche Äußerung Schwedens zu diesem Vorfall; weitere Details gab Bohlin nicht bekannt.
Die Ankündigung folgte auf Warnungen von Behörden in Polen, Norwegen, Dänemark und Lettland, wonach Russland kritische Infrastruktur in ganz Europa angreife.
Bohlin verglich den schwedischen Fall mit Vorfällen in Polen, wo koordinierte Cyberangriffe Heizkraftwerke trafen, die fast 500.000 Kunden mit Wärme versorgen, sowie Wind- und Solarparks. Polen erklärte später, es gebe Hinweise darauf, dass die Hacker „unmittelbar mit den russischen Diensten verbunden“ seien.
Nach Bohlins Worten richten sich die Cyberangriffe in Schweden und Polen gegen Systeme zur Steuerung kritischer Infrastruktur und könnten schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft haben. Die Angriffe zeigten, dass Russland sich riskant und rücksichtslos verhalte.
Die Vorfälle gehören zu mehr als 150 Sabotageakten und feindseligen Aktivitäten in Europa, die nach Recherchen der Nachrichtenagentur The Associated Press von westlichen Behörden seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 mit Russland in Verbindung gebracht werden. Ziel der Angriffe sei es, die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben, Angst und Zwietracht in europäischen Gesellschaften zu säen und Ermittlungsressourcen zu binden. Der Kreml hat eine Sabotagekampagne in Europa zuvor bestritten.
Bohlin verwies zudem auf weitere Vorfälle: Dänische Behörden erklärten, dass Cyberangriffe Russlands im Jahr 2024 auf einen Wasserversorger einige Haushalte ohne Wasser ließen. Die norwegische Polizei berichtete, prorussische Hacker hätten aus der Ferne ein Ventil an einem Staudamm geöffnet, sodass Wasser ausströmte. Lettlands Staatssicherheitsdienst teilte mit, ein Zug und Bahninfrastruktur seien von Personen in Brand gesetzt worden, die im Interesse Russlands handelten.
