Die beiden verurteilten US-Amerikaner spielten eine zentrale Rolle in einem massiven Betrugsnetzwerk, das über Jahre hinweg Tausende nordkoreanischer IT-Arbeiter in westliche Unternehmen einschleusen konnte. Kejia Wang erhielt eine Haftstrafe von 108 Monaten, sein Komplize Zhenxing Wang 92 Monate Gefängnis nach Schuldgeständnis wegen Geldwäsche und Betrug.
Die operative Methode war perfide durchdacht: Die Verdächtigen errichteten Scheinfirmen wie Tony WKJ LLC, Hopana Tech LLC und Independent Lab LLC, um nordkoreanische Fernarbeiter als vermeintlich legitime US-amerikanische Mitarbeiter zu tarnen. Zhenxing Wang hostet dabei physische Unternehmens-Laptops in privaten Wohnungen in den USA, damit nordkoreanische Worker die IT-Infrastrukturen der angestellten Unternehmen infiltrieren konnten. Dieses dezentrale Laptop-Farm-System erschwerte die Erkennung erheblich.
Die Ermittlungen zeigen, dass mindestens 80 gestohlene Identitäten amerikanischer Bürger für diese Täuschungsmanöver verwendet wurden. Der finanzielle Schaden für die betrogenen Unternehmen wird auf rund drei Millionen Dollar beziffert, während die nordkoreanische Regierung über fünf Millionen Dollar an illegalem Gewinn erzielte.
Besonders bemerkenswert ist die Beteiligung des ukrainischen Staatsangehörigen Oleksandr Didenko, der 2025 zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Er lieferte den nordkoreanischen Akteuren systematisch gestohlene Identitäten – ein Beleg für die internationale Verflechtung solcher Kriminellennetzwerke.
Neun weitere mit dem Schema verbundene Verdächtige sind weiterhin flüchtig. Das US-State-Department hat eine Belohnung von bis zu fünf Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt. Die FBI warnt bereits seit 2023 öffentlich vor dieser nordkoreanischen Infiltrationsstrategie. Schätzungen zufolge betreibt Nordkorea ein riesiges Heer von Tausenden IT-Fachkräften, die unter gefälschten Identitäten westliche Firmen infiltrieren.
Für europäische und deutsche Unternehmen mit US-Geschäftstätigkeiten ist dieser Fall ein Weckruf: Die Überprüfung von Mitarbeiteridentitäten muss intensiviert werden, und Sicherheitsteams sollten verdächtige Fernarbeiter-Muster erkennen und melden.
