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Google sperrt 8,3 Milliarden Anzeigen und überarbeitet Android-Datenschutz

Google sperrt 8,3 Milliarden Anzeigen und überarbeitet Android-Datenschutz
Zusammenfassung

Google hat 2025 eine Bilanz von beeindruckenden Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Der Konzern blockierte oder entfernte weltweit über 8,3 Milliarden regelwidrige Anzeigen und sperrte 24,9 Millionen Accounts. Parallel dazu führt Google mit Android 17 umfangreiche Datenschutzverbesserungen ein, die den Umgang mit sensiblen Benutzerinformationen grundlegend neu regeln. Das Unternehmen implementiert neue Kontakt- und Standort-Picker, die Nutzern präzisere Kontrolle über ihre Daten ermöglichen und gleichzeitig verhältnismäßigkeit bei App-Berechtigungen erzwingen. Für deutsche Nutzer bedeutet dies konkrete Verbesserungen beim Schutz ihrer persönlichen Daten vor unbefugtem App-Zugriff. Deutsche Unternehmen und App-Entwickler müssen sich dagegen auf erhebliche Anpassungen ihrer Anwendungen vorbereiten, um die neuen Play-Store-Richtlinien bis Oktober 2026 zu erfüllen. Auch deutsche Behörden sollten diese Entwicklungen im Blick behalten, da sie zeigen, wie international tätige Tech-Konzerne Datenschutzstandards verschärfen und welche Compliance-Anforderungen dadurch entstehen.

Die neuen Datenschutzrichtlinien von Google konzentrieren sich auf zwei zentrale Bereiche: die Kontrolle von Kontakt- und Standortberechtigungen in Android. Besonders innovativ ist der neue Contact Picker, eine standardisierte und sichere Schnittstelle zur Kontaktauswahl. Statt dass Apps bisher unbegrenzt auf alle Kontakte zugreifen konnten, können Nutzer jetzt explizit auswählen, welche Kontakte sie freigeben möchten.

Bislang war die READ_CONTACTS-Berechtigung die Standard-Lösung – allerdings viel zu breit gefächert. Sie ermöglichte Apps Vollzugriff auf alle Kontakte und deren Informationen. Mit Android 17 ändert sich das grundlegend: Apps können künftig nur noch die spezifischen Kontaktfelder anfordern, die sie benötigen, etwa Telefonnummern oder E-Mail-Adressen. Die READ_CONTACTS-Berechtigung bleibt nur noch für Apps reserviert, die wirklich vollständigen Zugriff benötigen und dies vor Google begründen können.

Ähnlich strikter werden die Standort-Richtlinien. Ein neuer Standort-Button in Android 17 ermöglicht Apps, einmaligen Zugriff auf die genaue Position anzufordern. Nutzer erhalten dadurch transparente Kontrolle darüber, wie lange und für welche Zwecke ihre Standortdaten geteilt werden. Ein persistenter Indikator warnt, wenn Nicht-System-Apps auf den Standort zugreifen.

Entwickler müssen diese Änderungen bis Oktober 2026 umsetzen. Google führt ab dem 27. Oktober Vorprüfungen durch, um Compliance-Probleme frühzeitig zu identifizieren. Wer weiterhin persistente Standortdaten benötigt, muss dies durch eine Developer Declaration in der Play Console begründen.

Damit nicht genug: Google intensiviert auch die Bekämpfung betrügerischer Werbung. Das Unternehmen blockierte 2025 insgesamt 602 Millionen Anzeigen und sperrte vier Millionen Konten, die mit Betrugsfällen verknüpft waren. Weitere 4,8 Milliarden Anzeigen wurden eingeschränkt. Gemini, Googles KI-Modell, half dabei, über 99 Prozent aller regelwidrigen Anzeigen bereits vor deren Anzeige zu erkennen.

Die KI versteht Nutzerintentionen besser als frühere schlüsselwortbasierte Systeme und kann Malware-Anzeigen und andere schädliche Inhalte proaktiv blockieren – auch wenn diese Evasion-Techniken nutzen. Responsives Search Ads werden mittlerweile instant geprüft und blockiert.

Auch App-Entwickler profitieren von Googles neuem Account-Transfer-Feature in der Play Console, das vor Betrug schützt. Ab dem 27. Mai 2026 sollten Entwickler Kontoübernahmen nur noch über dieses Feature durchführen. Inoffizielle Transfers – etwa Anmeldedaten-Sharing oder Kauf auf Drittplattformen – sind dann nicht mehr zulässig.