Laut einer Mitteilung des Innenministeriums wurde ein „Sicherheitsvorfall, der die Offenlegung von Daten sowohl aus privaten als auch aus geschäftlichen Konten umfassen könnte" am 15. April festgestellt. Betroffen ist das Portal der ANTS, die in Frankreich Anträge auf Reisepässe, Personalausweise, Aufenthaltstitel und Führerscheine bearbeitet.
Eine erste Analyse deutet darauf hin, dass mehrere Arten persönlicher Informationen aus den Konten privater Nutzer offengelegt worden sein könnten. Zu den möglicherweise kompromittierten Daten zählen Zugangsdaten, Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten sowie die eindeutige Kennung, die jedem Konto zugeordnet ist.
Darüber hinaus könnten laut Ministerium auch Postanschriften, Geburtsorte und Telefonnummern betroffen sein. Die Behörde betonte zugleich, dass die abgeflossenen Informationen keine Dokumente umfassen, die im Rahmen von Verwaltungsverfahren hochgeladen wurden, etwa Anhänge zu Anträgen. Den Angaben zufolge lassen sich die kompromittierten Daten nicht nutzen, um sich unbefugt Zugang zu Konten im ANTS-Portal zu verschaffen.
Die Zahl der betroffenen Nutzer wurde nicht genannt, und der Ursprung des Angriffs bleibt unklar. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet, um Umfang und mögliche Folgen der Datenpanne zu bestimmen. Nach Angaben des Ministeriums wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um den Betrieb des Portals aufrechtzuerhalten und den Datenschutz zu stärken.
Der Vorfall fällt in eine Phase mehrerer Cybersicherheitsvorfälle bei französischen öffentlichen Einrichtungen. In diesem Zeitraum gab das französische Bildungsministerium bekannt, dass ein Angriff auf sein System zur Verwaltung von Schülerkonten zum Abfluss persönlicher Daten von Schülern geführt habe. Den Angaben zufolge ging der Einbruch auf die Übernahme der Identität eines autorisierten Mitarbeiterkontos Ende 2025 zurück, wodurch die Angreifer Zugriff auf einen mit der Plattform ÉduConnect verbundenen Dienst erhielten, die von Schülern und Familien genutzt wird.
Bereits im Februar drangen Angreifer in einen Teil des französischen nationalen Bankkontenregisters ein – einer Datenbank, die sämtliche Bankkonten des Landes erfasst – und legten Informationen zu rund 1,2 Millionen Konten von mehr als 300 Millionen Einträgen offen.
Die französischen Behörden haben den ANTS-Vorfall bislang keinem konkreten Bedrohungsakteur zugeschrieben und auch kein mögliches Motiv für den Angriff genannt.
