Im Zentrum des Angriffs stand die Verifizierungslogik von Kelp DAO. Das Protokoll setzt zur Prüfung von Anweisungen auf eine sogenannte „1-of-1-Verifier-Konfiguration“, die die Angreifer gezielt manipulierten, um den Verifizierungsprozess zu vergiften und Mittel abzuziehen.
Dafür griffen sie LayerZero an, die Cross-Chain-Messaging-Infrastruktur, über die Blockchains verifizierte Anweisungen austauschen. Das Decentralized Verifier Network (DVN) von LayerZero stützt sich auf mehrere RPCs (Remote Procedure Calls), um die Integrität von Cross-Chain-Anweisungen zu prüfen. Den Angreifern gelang es, zwei davon zu kompromittieren und zu vergiften.
„Sie nutzten diesen Ansatzpunkt für einen RPC-Spoofing-Angriff. Ihr bösartiger Knoten verwendete eine speziell angefertigte Payload, die darauf ausgelegt war, eine Nachricht an das DVN mit möglichst wenigen Warnhinweisen zu fälschen“, erklärt LayerZero. Anschließend starteten die Täter einen verteilten Denial-of-Service-Angriff (DDoS) gegen die übrigen RPCs. Dadurch wurde ein Failover auf die manipulierten RPCs ausgelöst, sodass die schädlichen Anweisungen als gültig durchgingen.
LayerZero stuft den Vorfall als hochentwickelten Angriff ein, der wahrscheinlich auf TraderTraitor zurückgeht – eine Untergruppe der nordkoreanischen APT-Gruppe Lazarus, die in den vergangenen Jahren für mehrere Kryptodiebstähle verantwortlich gemacht wurde.
Zwischen den beiden Unternehmen ist ein Streit über die Verantwortung entbrannt. Laut LayerZero hätte sich der Diebstahl mit einem Multi-DVN-Aufbau verhindern lassen, der als Branchenstandard gilt: „Kein einzelnes DVN sollte einen einseitigen Vertrauens- oder Ausfallpunkt darstellen.“ LayerZero betont, man habe Kelp DAO bereits zuvor empfohlen, von der Single-DVN-Konfiguration abzurücken, doch Kelp habe sich für die 1/1-DVN-Konfiguration entschieden.
Kelp DAO weist die Schuld zurück und verweist darauf, dass die eigenen Systeme die angegriffene Infrastruktur nicht betrieben hätten und der Single-DVN-Aufbau die von LayerZero dokumentierte Konfiguration sei. Man arbeite seit Januar 2024 auf der LayerZero-Infrastruktur und stehe seither in offenem Austausch mit dem Team; bei der L2-Expansion sei die Frage der DVN-Konfiguration aufgekommen und die Voreinstellungen seien damals ausdrücklich als angemessen bestätigt worden.
Kelp erklärt, derzeit habe die Eindämmung einer Ansteckung im DeFi-Sektor Priorität. Mehrere Partner, darunter das Arbitrum Security Council, froren umgehend Vermögenswerte in Adressen ein, die mit dem Diebstahl in Verbindung stehen. Dennoch fielen die Auswirkungen breit aus: Laut Binance hinterlegten die Angreifer die gestohlenen Mittel bei Aave v3 als Sicherheit und liehen sich Wrapped Ether, wodurch bei Aave 195 Millionen Dollar an Schulden entstanden. Als Nutzer ihre Vermögenswerte abzogen, erreichten die Aave-v3-Lending-Pools volle Auslastung, womit über 5,1 Milliarden Dollar an Stablecoins blockiert wurden.
