Nach Darstellung von Vercel nutzte der Angreifer den Zugang zu Context.ai, um das Vercel-Google-Workspace-Konto des betroffenen Mitarbeiters zu übernehmen. Dadurch erhielt er Zugriff auf einige Vercel-Umgebungen und auf Umgebungsvariablen, die nicht als „sensibel" gekennzeichnet waren. Variablen, die in Vercel als „sensibel" markiert sind, würden so gespeichert, dass sie nicht ausgelesen werden könnten; für einen Zugriff auf diese Werte gebe es derzeit keine Hinweise, so das Unternehmen.
Vercel warnte zudem, dass das Löschen von Projekten oder Konten nicht ausreiche, um das Risiko für Kunden zu beseitigen. Kompromittierte Geheimnisse könnten weiterhin Zugang zu Produktivsystemen bieten, weshalb sie vor dem Löschen rotiert werden müssten. Der Angreifer gilt laut Vercel als „hochgradig versiert", was sich an seinem Tempo und seinem detaillierten Verständnis der Vercel-Systeme zeige.
Context.ai veröffentlichte eine eigene Stellungnahme. Das Werkzeug sollte Nutzern helfen, mit KI-Agenten Präsentationen und Tabellen zu erstellen; eine Funktion war eine Browser-Erweiterung, mit der der KI-Agent „Aktionen über externe Anwendungen hinweg ausführen" konnte. Im März hatte Context.ai nach eigenen Angaben einen Angriff mit unbefugtem Zugriff auf seine AWS-Umgebung entdeckt und gestoppt, CrowdStrike mit der Untersuchung beauftragt und einen als betroffen identifizierten Kunden informiert.
Auf Basis von Informationen durch Vercel und eigener Nachforschungen erklärte Context.ai, der unbefugte Akteur habe bei dem damaligen Vorfall vermutlich auch OAuth-Token einiger Privatnutzer kompromittiert. Mit einem gestohlenen OAuth-Token habe er offenbar auf das Google Workspace von Vercel zugegriffen. Der betroffene Vercel-Mitarbeiter hatte sich mit seinem Arbeitskonto bei der Context.ai-Suite registriert. Context.ai verwies darauf, dass Vercels interne Berechtigungskonfigurationen diese weitreichenden Rechte im Unternehmens-Google-Workspace überhaupt erst ermöglicht hätten.
Mehrere Sicherheitsfirmen führten die Vorfälle auf eine Infostealer-Infektion am 17. Februar zurück, die mutmaßlich das Gerät eines Context.ai-Mitarbeiters betraf. Laut der Firma Hudson Rock zeigen die Logs, dass der Mitarbeiter nach Roblox-Spiel-Exploits suchte, die häufig mit Malware und gezielt mit Infostealern versehen sind.
Randolph Barr, CISO von Cequence Security, betonte die große Verbreitung von Vercel in der Entwickler-Community, besonders bei modernen Web-Apps. Die größere Sorge sei die Offenlegung von Umgebungsvariablen und Token, die Folgeangriffe ermöglichen könnten, wenn Teams nicht schnell handelten.
Die mutmaßlich verantwortlichen Angreifer gaben an, zur Gruppe ShinyHunters zu gehören, und forderten ein Lösegeld von zwei Millionen US-Dollar. Über ihre eigenen Kommunikationskanäle wies die Gruppe jedoch eine Beteiligung am Vercel-Einbruch zurück. Vercel-CEO Guillermo Rauch äußerte die Einschätzung, die Angreifer seien „erheblich durch KI beschleunigt" worden, und rief alle Kunden auf, ihre Zugangsdaten zu wechseln und den Zugriff auf ihre Vercel-Umgebungen zu überwachen.
