Die ukrainische Sicherheitsbehörde (SBU) und die Nationale Polizei gaben am Montag bekannt, dass sie ein kriminelles Netzwerk zur Produktion gefälschter Telegram-Konten aufgedeckt haben. Der verdächtigte Betreiber wurde in der nordukrainischen Stadt Zhytomyr festgenommen. Bei Durchsuchungen seiner Wohnung beschlagnahmten Ermittler umfangreiche technische Ausrüstung: Computer, Mobiltelefone, USB-Hubs mit Modems und etwa 2.000 SIM-Karten von verschiedenen ukrainischen Mobilfunkanbietern.
Das Geschäftsmodell war einfach, aber wirksam: Der Verdächtige stellte monatlich über 3.000 gefälschte Telegram-Accounts her und verkaufte diese an russische Geheimdienste. Die Konten wurden mit echten ukrainischen Mobilfunknummern erstellt, um authentischer zu wirken. Über spezialisierte Online-Plattformen wurden die Accounts an pro-russische Akteure vermarktet.
Russische Geheimdienste setzten die gefälschten Konten zur Verbreitung von Propaganda über Ukraines Verteidigungskräfte und innenpolitische Lage ein. Besonders tückisch: Von anonymen Fake-Accounts aus wurden Falschmeldungen über angeblich verminete Einrichtungen im ganzen Land verbreitet. “Das Ziel war es, Panik in der Bevölkerung zu schüren und die sozio-politische Stabilität zu destabilisieren”, erklärten die Behörden.
Bot-Farmen funktionieren technisch über spezialisierte Hardware und große Mengen an SIM-Karten, um tausende gefälschte Accounts gleichzeitig zu verwalten. Ukraine-Sicherheitskreise zufolge nutzt Russland solche Netzwerke während des Krieges systematisch, um Propaganda zu verstärken, Desinformation zu streuen und Online-Diskussionen zu manipulieren.
Auch für Cyberattacken wurden die Konten missbraucht: Behördenangaben zufolge zielten russische Geheimdienste mit gefälschten Accounts auf ukrainische Militärpersonen ab und verschickten Phishing-Nachrichten mit schädlichen Dateien, um Spyware zu installieren und sensible Daten zu stehlen.
Sollte der Verdächtige verurteilt werden, drohen ihm bis zu sechs Jahre Haft. Der Fall unterstreicht die Bedeutung von Koordination im Kampf gegen Desinformation und organisierte Cyberkriminalität – ein Problem, das längst nicht nur die Ukraine betrifft.
