Bei Telegram stützt sich Ofcom auf Material des Canadian Centre for Child Protection. Die kanadische Organisation übermittelte der Behörde Informationen, die das Vorhandensein und Teilen von CSAM auf der Plattform belegen sollen. Erst nach einer eigenen Prüfung entschied Ofcom, ein förmliches Verfahren einzuleiten.

Telegram weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte, die Plattform habe „die öffentliche Verbreitung von CSAM durch erstklassige Erkennungsalgorithmen und die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen praktisch ausgemerzt". Man bestreite die Anschuldigungen der Behörde kategorisch und sei überrascht von der Untersuchung. Zugleich äußerte das Unternehmen die Sorge, das Verfahren könne Teil eines umfassenderen Angriffs auf Plattformen sein, die Meinungs- und Privatsphärenfreiheit verteidigen.

Die Verfahren gegen Chat Avenue und Teen Chat gehen der Frage nach, ob die Seiten Kinder ausreichend vor Anbahnung durch Täter schützen. Bei Chat Avenue prüft Ofcom zusätzlich, ob der Dienst genug unternimmt, um zu verhindern, dass Kinder schädliche Inhalte wie Pornografie sehen. Nach Angaben der Behörde geht sie dabei auf Hinweise von Kinderschutzorganisationen zurück, mit denen sie zusammenarbeitet, um auffällige Dienste zu identifizieren. Beide Seiten bieten offene Chaträume sowie private Nachrichten und das Teilen von Medien an.

Teen Chat reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Ein Sprecher von Chat Avenue erklärte, das Unternehmen sei „der Aufrechterhaltung einer sicheren Umgebung verpflichtet" und habe eine Reihe von Schutzmaßnahmen für Kinder eingeführt. Man teile nicht die Einschätzung, dass Anbahnung auf der Plattform verbreitet sei: Automatische Nachrichtenlöschung, aktive Wortfilter, aktive Überwachung und Meldewerkzeuge sollten das Risiko schädlichen Verhaltens verringern. Ofcom erklärte, man habe mit den Chatseiten über ihre Praktiken gesprochen, sei mit deren Antworten zum Umgang mit Anbahnung jedoch weiterhin nicht zufrieden.

„Sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von Kindern fügen den Opfern verheerenden Schaden zu, und dafür zu sorgen, dass Seiten und Apps dagegen vorgehen, ist eine unserer höchsten Prioritäten", erklärte Suzanne Cater, Leiterin der Durchsetzungsabteilung bei Ofcom.

Sollte Ofcom feststellen, dass die Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen haben, wird zunächst eine vorläufige Entscheidung veröffentlicht, zu der sich die Firmen vor einer endgültigen Festlegung äußern können. Bei einem bestätigten Verstoß gegen das Online Safety Act kann Ofcom Änderungen erzwingen und Bußgelder von bis zu 18 Millionen Pfund (24,3 Millionen Dollar) oder 10 Prozent des weltweiten qualifizierenden Umsatzes verhängen.