Dass Claude Mythos so viele Firefox-Schwachstellen fand, überrascht nur bedingt. Bei der Vorstellung von Mythos erklärte Anthropic, das neue Modell könne eigenständig Tausende von Zero-Day-Schwachstellen aufdecken. Eben deshalb verzichtete das Unternehmen auf eine öffentliche Freigabe und stellt das Modell stattdessen nur einer vergleichsweise kleinen Zahl großer Organisationen zur Verfügung – über ein Programm namens Project Glasswing.

Zu den teilnehmenden Unternehmen zählen AWS, Apple, Broadcom, Cisco, CrowdStrike, Google, JPMorgan Chase, die Linux Foundation, Microsoft, Nvidia und Palo Alto Networks.

Firefox-CTO Bobby Holley ordnete die Funde ein: „Ermutigend ist, dass wir auch keine Fehler gesehen haben, die ein herausragender menschlicher Forscher nicht hätte finden können. Manche Kommentatoren sagen voraus, dass künftige KI-Modelle völlig neue Formen von Schwachstellen zutage fördern werden, die sich unserem heutigen Verständnis entziehen – das glauben wir nicht.“

Palo Alto Networks veröffentlichte erste Daten aus Tests mit Mythos. Bei der Schwachstellensuche habe das Modell in weniger als drei Wochen das Äquivalent eines ganzen Jahres an Penetrationstests geleistet. Das Sicherheitsunternehmen hob zudem die Fähigkeit der KI hervor, Schwachstellen zu verketten und mittel- sowie geringschwere Probleme zu einem kritischen Exploit zu kombinieren. Darüber hinaus könne Mythos logikbasierte Probleme erkennen, die herkömmliche Werkzeuge möglicherweise übersehen.

„Innerhalb von sechs Monaten werden fortschrittliche KI-Modelle mit tiefgreifenden Cybersicherheitsfähigkeiten alltäglich sein. Organisationen, die keine angemessenen Schutzvorkehrungen getroffen haben, werden mit einer völlig neuen Klasse von Risiken über ihr gesamtes Unternehmen und ihre kritische Infrastruktur hinweg konfrontiert sein“, sagte Lee Klarich, Chief Product and Technology Officer bei Palo Alto Networks.

Klarich wies darauf hin, dass ähnliche Fortschritte voraussichtlich auch von anderen KI-Unternehmen kommen werden und deren Modelle womöglich nicht so stark eingeschränkt sind wie Mythos. Zudem gebe es bereits Berichte, wonach Unbefugte sich Zugang zu Mythos verschafft hätten.