Der MIVD verbindet die gestiegene Leistungsfähigkeit chinesischer Hacker mit der Cyber-Reorganisation der Volksbefreiungsarmee im Jahr 2024. Damals löste Peking seine Strategic Support Force auf und schuf eine eigenständige Cyberspace Force. Diese Neuordnung habe es chinesischen Hackern 2025 ermöglicht, ihre Werkzeuge und Infrastruktur fortlaufend anzupassen und „sehr flexibel auf Gelegenheiten und veränderte Umstände zu reagieren“.
Der Bericht enthält Details zu Hackereinheiten der Volksbefreiungsarmee, die bislang nicht in westlichen öffentlichen Geheimdienstberichten auftauchten. So hätten 2025 „mehrere Komponenten innerhalb derselben Einheit sogar miteinander konkurriert, um Schwachstellen in einem bestimmten Typ von Edge-Gerät zu finden“. Für 2026 prognostiziert der Dienst eine weitere Zunahme von Kampagnen zur Ausnutzung von Schwachstellen, auch in Edge-Geräten wie Routern, Firewalls und VPN-Lösungen.
Die Einschätzung folgt auf einen Bericht der Threat Intelligence Group von Google, wonach China-nahe Gruppen ihre Ausnutzung von Zero-Day-Lücken 2025 verdoppelt hätten und weiterhin „die produktivsten“ staatlich unterstützten Nutzer zuvor unbekannter Schwachstellen seien.
Konkret nennt der MIVD eine als Salt Typhoon und RedMike geführte chinesische Cyberspionagekampagne, die 2025 Zugang zu Routern kleinerer niederländischer Hosting- und Internetanbieter erlangte. Das niederländische Verteidigungsministerium hatte zuvor bestätigt, dass „kleinere Internet- und Hostingdienstleister“ ins Visier geraten waren, ging aber davon aus, dass die Angreifer nicht über die Router-Ebene hinaus in interne Netzwerke vordrangen. Telekommunikationsunternehmen bezeichnet der MIVD als „vorrangige Ziele chinesischer Hacker“. Im August 2025 schlossen sich die niederländischen Dienste einer Warnung von 13 Staaten an, die die Kampagne drei chinesischen Technologieunternehmen im Auftrag Pekings zuschrieb.
Die Veröffentlichung reiht sich in frühere Bemühungen der niederländischen Dienste ein, chinesische Eindringversuche publik zu machen. Im Februar 2024 hatte der MIVD enthüllt, dass chinesische Hacker über eine FortiGate-Schwachstelle in ein abgeschottetes Netzwerk des Verteidigungsministeriums eingedrungen waren und dort eine Schadsoftware namens COATHANGER einsetzten. Eine spätere Untersuchung ergab, dass dieselbe Kampagne weltweit mindestens 20.000 FortiGate-Systeme infiziert hatte; Infektionen blieben laut MIVD schwer zu erkennen und zu beseitigen.
Der Bericht greift zudem Einschätzungen anderer westlicher Dienste auf, die Chinas Nachrichtendienstoperationen als „gesamtgesellschaftlichen Ansatz“ beschreiben. Pekings Rechtsrahmen verpflichte alle chinesischen Bürger, Unternehmen und Organisationen zur Zusammenarbeit mit den staatlichen Diensten. In den Niederlanden wurde eine solche Kooperation 2025 durch ein geändertes Spionagegesetz unter Strafe gestellt. China ziele zudem auf niederländische Forscher, Unternehmen und Universitäten und suche Technologien aus den Bereichen Halbleiter, Quantencomputing und Luft- und Raumfahrt.
Schließlich warnt der MIVD, China könne offensive Cyberfähigkeiten nun „besser mit militärischen Operationen verzahnen“. Der Dienst verweist auf die der Volksbefreiungsarmee zugerechnete Gruppe Volt Typhoon, die nach Einschätzung von US-Stellen und Five-Eyes-Partnern Implantate in westlicher kritischer Infrastruktur platziert, um sie in einem künftigen Konflikt zu aktivieren. Washington nennt Taiwan als wahrscheinlichsten Auslöser. China habe „den Einsatz militärischer Mittel nie ausgeschlossen“, um die Insel zu annektieren.
