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"The Gentlemen" – Die schnell aufsteigende Ransomware-Gruppe bedroht deutsche Unternehmen

"The Gentlemen" – Die schnell aufsteigende Ransomware-Gruppe bedroht deutsche Unternehmen
Zusammenfassung

Eine neue Ransomware-Gruppe namens „The Gentlemen" ist seit Mitte 2025 am Markt und hat in kürzester Zeit beachtliche Aufmerksamkeit erregt: Innerhalb von wenigen Monaten hat die als Ransomware-as-a-Service (RaaS) operierende Bande bereits hunderte Opfer verzeichnet und zählt damit zu den aktivsten Akteuren der Cyberkriminalszene. Laut Analysen von Check Point Research betreibt die Gruppe eine Botnet mit über 1.570 infizierten Systemen und konzentriert sich gezielt auf große Unternehmen und Organisationen statt auf Einzelnutzer. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit ihres Aufstiegs: The Gentlemen übertraf in neun Monaten den Meilenstein von 150 Opfern, während die vergleichbare Gruppe DragonForce dafür fast zwei Jahre benötigte. Die Bedrohung zeichnet sich durch hohe technische Sophistication aus, einschließlich spezialisierter Ransomware für VMware-Systeme und der Fähigkeit, Ransomware mittels Active Directory Group Policy simultan über ganze Netzwerke auszurollen. Deutsche Unternehmen, behördliche Einrichtungen und Organisationen aus kritischen Infrastrukturen wie Gesundheitswesen, Bildung und Fertigung müssen The Gentlemen als bedeutsame Bedrohung ernst nehmen, da die Gruppe gezielt größere Organisationen ins Visier nimmt und dabei hochentwickelte Angriffsmethoden einsetzt.

Die Ransomware-Bande “The Gentlemen” demonstriert eine beunruhigende Kombination aus Geschwindigkeit, Professionalität und technischer Raffinesse. Sie operiert nach dem RaaS-Modell (Ransomware-as-a-Service), bei dem erfahrene Cyberkriminelle ihre Infrastruktur Affiliates zur Verfügung stellen, die damit Anschläge durchführen und einen Prozentsatz der Beute abtreten.

Die Zahlen sprechen für sich: Im letzten Quartal beanspruchte “The Gentlemen” 202 Anschläge, nur knapp hinter der Gruppe Qilin mit 353 Fällen. Noch beeindruckender ist die Dynamik – im Januar 2026 waren es 34 nachgewiesene Anschläge, im Februar bereits 67. Diese Progression zeigt ein funktionierendes Geschäftsmodell, das rapide skaliert.

Was die Gruppe technisch auszeichnet, ist ihre Infrastruktur und ihre Taktiken. Sie nutzt die Proxy-Malware SystemBC, um verdeckte Tunnel aufzubauen und Schadsoftware zu verbreiten. Besonders gefährlich ist die Fähigkeit, sich Zugang zu Domain Controllern zu verschaffen und diese zu kompromittieren. Von dort aus können die Angreifer die Active Directory Group Policy nutzen, um Ransomware auf allen Computern der Domäne gleichzeitig zu zünden – eine sogenannte “Massendetonation”, die ganze Organisationen lahmlegen kann.

Die Ransomware selbst ist in der Programmiersprache GO geschrieben und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Bemerkenswert ist eine spezielle Variante für VMware ESXi-Hosts, die bei VirusTotal von den meisten Antivirus-Systemen nicht erkannt wird. Diese Variante fährt alle virtuellen Maschinen kontrolliert herunter und deaktiviert die automatische VM-Wiederherstellung – ein Zeichen professioneller Planung.

Das Double-Extortion-Modell, bei dem Daten exfiltriert und verschlüsselt werden, ist Standard. “The Gentlemen” zahlt 90 Prozent der Beute an ihre Affiliates aus, was für Kriminelle sehr attraktiv ist und den schnellen Zustrom von Talenten erklärt.

Deutsche Organisationen sollten das Auftreten dieser Gruppe sehr ernst nehmen. Experten warnen vor allem vor “Internet-facing Devices” – also Systemen, die direkt aus dem Internet erreichbar sind. Von dort gewinnen Angreifer oft Fuß und können sich anschließend lateral im Netzwerk bewegen. Besonders Behörden, Kliniken, Bildungseinrichtungen und Industrieunternehmen sind Ziele dieser Gruppe.

Verteidigungsmaßnahmen sind klassisch, aber entscheidend: Netzwerksegmentierung, regelmäßige Updates, starke Authentifizierung und kontinuierliche Netzwerküberwachung. Allerdings zeigt “The Gentlemen”, dass auch gut vorbereitete Organisationen erfolgreich angegriffen werden können. Das macht diese Gruppe zu einem der bedeutendsten Risiken für Cybersecurity 2026.