Den größten Einzelfall bildet der Diebstahl von 290 Millionen US-Dollar beim DeFi-Projekt KelpDAO. LayerZero erklärte, der Angriff sei darauf ausgelegt gewesen, die nachgelagerte RPC-Infrastruktur zu manipulieren, indem ein Quorum jener RPCs kompromittiert wurde, auf die sich der LayerZero-Labs-DVN zur Transaktionsprüfung stützte. KelpDAO selbst betonte auf X, zwei von LayerZero betriebene RPC-Knoten seien kompromittiert worden, ein dritter durch einen gleichzeitigen DDoS-Angriff lahmgelegt; die eigenen Systeme seien nicht beteiligt gewesen. Der Arbitrum Security Council fror vorübergehend 30.766 ETH auf einer mit dem Vorfall verbundenen Adresse ein. LayerZero ordnet die Tat den als TraderTraitor verfolgten nordkoreanischen Akteuren zu, denen auch der Bybit-Hack Anfang 2025 mit 1,5 Milliarden US-Dollar Schaden zugeschrieben wird.

VulnCheck warnt vor Angriffen auf die Smart-Home-Plattform MajorDoMo: CVE-2026-27175 (kritische Command Injection) wird seit dem 13. April ausgenutzt, CVE-2026-27174 (nicht authentifizierte Remote-Code-Ausführung über die PHP-Konsole) seit dem 18. April. Im ersten Fall wurde eine PHP-Webshell als persistente Hintertür abgelegt, im zweiten eine Metasploit-Payload. Zudem beobachtet VulnCheck die aktive Ausnutzung einer RCE-Kette in Apache ActiveMQ aus CVE-2026-34197 und CVE-2024-32114 – laut Jacob Baines eine Remote-Code-Ausführung ganz ohne Anmeldedaten.

In der npm-Registry wurde eine Reihe schädlicher Pakete entdeckt, darunter mehrere unter dem Namensraum „@fairwords". Sie stehlen sensible Daten, betreiben Systemaufklärung, pflanzen über den öffentlichen Schlüssel des Angreifers eine SSH-Hintertür ein und verbreiten den XWorm-RAT. Die „@fairwords"-Pakete verbreiten sich zudem selbst über das Token des Opfers und versuchen eine Ausbreitung nach PyPI. Auch legitime Pakete wurden kompromittiert: Über @velora-dex/sdk gelangt der Go-basierte RAT „minirat" auf macOS-Systeme, über mgc ein Dropper, der einen plattformspezifischen RAT von einem GitHub-Gist nachlädt.

Cisco Talos beschreibt, wie Angreifer native macOS-Funktionen missbrauchen: Über Remote Application Scripting lassen sich Befehle ausführen, und in Spotlight-Metadaten – den Finder-Kommentaren – können Base64-kodierte Payloads abgelegt werden. Da diese Metadaten von gängigen EDR-Lösungen kaum geprüft werden, entsteht ein verborgener Ablageort für Schadcode.

Forcepoint meldet zehn neue Payloads für indirekte Prompt-Injektion gegen KI-Agenten, die auf Finanzbetrug, Datenvernichtung und den Diebstahl von API-Schlüsseln zielen. Der Datenschutzexperte Alexander Hanff kritisiert die Claude-Desktop-App, die sich selbst Zugriff auf Browserdaten gewähre, indem sie Native-Messaging-Manifeste für Chromium-basierte Browser ablegt – selbst wenn diese gar nicht installiert sind. Er stuft dies als Dark Pattern ein, das gegen EU-Datenschutzrecht verstoße.

Daneben dokumentiert das Bulletin zahlreiche weitere Vorfälle: das britische NCSC stellt mit SilentGlass ein Gerät zum Schutz von Videoverbindungen vor und empfiehlt Passkeys als Standard-Anmeldeverfahren. Infrawatch beschreibt das belarussische ProxySmart als Plattform für SIM-Farmen. GreyNoise meldet, dass 21 IP-Adressen fast die Hälfte des RDP-Scan-Verkehrs erzeugen, und der Sicherheitsforscher Morgan Robertson stellt fest, dass rund drei Viertel der per Internet erreichbaren Perforce-P4-Server fehlkonfiguriert sind und Quellcode preisgeben.