Die neuesten Daten der Cybersicherheitsfirma Check Point Software zeigen einen signifikanten Rückgang der Cyberangriffe auf afrikanische Organisationen. Dieser positive Trend wird jedoch durch eine gleichzeitige Verschiebung der Bedrohungslandkarte getrübt: Während Afrika aufatmet, werden andere Regionen zur neuen Zielscheibe von Cyberkriminellen und staatlichen Akteuren.
Nach Angaben des “March 2026 Cyber Threat Landscape”-Reports von Check Point ist die Reduktion von Angriffen in Afrika das Ergebnis zweier paralleler Entwicklungen. Einerseits haben afrikanische Organisationen ihre Cybersicherheitsreife verbessert, andererseits verlagern Angreifer gezielt ihre Operationen in lukrativere Märkte. Sergey Shykevich, Threat Intelligence Group Manager bei Check Point Research, bestätigt diese Einschätzung: “Wir beobachten einen Stabilisierungstrend in Afrika seit 2025, während andere Regionen weiterhin mit steigenden Angriffsraten konfrontiert sind.”
Allerdings ist die Entwicklung nicht flächendeckend positiv. Während Länder wie Kenia und Marokko Angriffsrückgänge von über 50 Prozent verzeichnen, erlebte Äthiopien einen Anstieg um 29 Prozent. Nigeria bleibt das am meisten angegriffen Land auf dem Kontinent, obwohl auch dort ein Rückgang um 12 Prozent im März 2026 gemessen wurde.
Lateinamerika als neue Hochrisikozone
Das Machtvakuum wird durch eine bemerkenswerte Verschiebung nach Lateinamerika gefüllt. Die Region verzeichnet nun 3.050 wöchentliche Cyberangriffe und hat Afrika als riskieste Region abgelöst. Check Point-Experten identifizieren hier ein kritisches Sicherheitsproblem: Während viele lateinamerikanische Länder einer rasanten Digitalisierung unterliegen, hinken die Investitionen in Cybersicherheit deutlich hinterher. Dies schafft ideale Bedingungen für verschiedene Angreifer – von organisierten Cyberkriminalorganisationen bis zu staatlichen Akteuren.
Besonders gefährdet sind Sektoren wie Gesundheitswesen und Behörden, die als “hochwertige Ziele” für Angreifer gelten. Geopolitische Spannungen in der Region treiben zudem Nationalstaaten dazu an, verstärkt Ressourcen in Spionageoperationen gegen lateinamerikanische Länder zu investieren.
Unterschiedliche Perspektiven auf die Bedrohungslage
Wie so oft in der Cybersicherheit gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Kaspersky Lab dokumentiert ein differenzierteres Bild: Während einige Angriffstypen in Afrika rückläufig sind, bleiben andere konstant hoch. Immer noch werden 41 Prozent der afrikanischen Maschinen von Malware, Adware oder unerwünschten Programmen befallen – deutlich mehr als die 30 Prozent in Lateinamerika. Marc Rivero von Kaspersky warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen: Verschiedene Bedrohungstypen entwickeln sich regional unterschiedlich.
Offene Fragen zum Permanenzwert
Ian Van Rensburg, Head of Security Engineering für Afrika bei Check Point, mahnt zur Vorsicht. Der beobachtete Rückgang könnte eine dauerhafte strukturelle Verschiebung sein – oder nur eine temporäre Schwankung. Als warnendes Beispiel führt er Ransomware an: 55 Prozent aller Ransomware-Angriffe zielt auf Nordamerika ab, Afrika macht nur 2 Prozent aus. Dies deutet darauf hin, dass große Teile Afrikas weiterhin von bestimmten Bedrohungstypen unterrepräsentiert sind und daher schnell wieder ins Visier geraten könnten.
