Der Trend zur Stabilisierung in Afrika begann nach Angaben von Check Point bereits 2025. „Wir sehen in Afrika einen anhaltenden Trend, der 2025 begann, hin zu einer Stabilisierung der Angriffszahlen, während andere Regionen einen fortgesetzten Anstieg verzeichnen", sagt Shykevich. Die Veränderung im Jahr 2026 erkläre sich sowohl durch eine verschobene Zielauswahl der Angreifer als auch durch die gewachsene Sicherheitsreife in Afrika.

Innerhalb des Kontinents fiel die Entwicklung unterschiedlich aus. Kenia und Marokko verzeichneten Rückgänge von mehr als der Hälfte, während Äthiopien einen deutlichen Anstieg von 29 Prozent erlebte. Nigeria war 2025 mit durchschnittlich 4.200 Angriffen pro Woche je Organisation das am häufigsten betroffene Land, registrierte zuletzt jedoch 12 Prozent weniger Angriffe. Die stärksten Rückgänge entfielen laut Check Point auf das Ausnutzen von Schwachstellen und auf verteilte Denial-of-Service-Angriffe (DDoS).

Zugleich verschiebt sich die Bedrohungslage auf dem Kontinent: Kriminelle Syndikate verlagern Operationen nach Afrika, und staatliche Akteure greifen weiterhin Regierungsbehörden und Kommunikationsinfrastruktur an. Nach dem „2025 Africa Cyberthreat Assessment Report" von Interpol entfielen sowohl in Ost- als auch in Westafrika mehr als 30 Prozent aller gemeldeten Straftaten auf Cyberkriminalität.

In Lateinamerika gelten besonders das Gesundheitswesen und der öffentliche Sektor als lohnende Ziele. „Viele Teile Lateinamerikas durchlaufen eine rasche Digitalisierung, die nicht immer mit höheren Investitionen in die Cybersicherheit einhergeht — das hinterlässt Lücken, die unterschiedlichste Angreifer anziehen", so Shykevich. Geopolitische Verschiebungen in der Region veranlassten zudem staatliche Akteure, mehr Ressourcen in Spionage gegen lateinamerikanische Länder zu stecken.

Andere Sicherheitsfirmen zeichnen ein differenzierteres Bild. Nach Daten von Kaspersky Lab waren afrikanische Nutzer weiterhin am stärksten von Bedrohungen auf dem Endgerät betroffen: 41 Prozent der Rechner wiesen Malware, Adware oder unerwünschte Programme auf, gegenüber 30 Prozent in Lateinamerika. Die Entwicklung einzelner Bedrohungsarten könne je nach Region auseinanderlaufen, erklärt Marc Rivero, leitender Sicherheitsforscher in Kasperskys Global Research & Analysis Team (GReAT) — Erkennungen einer Bedrohung könnten zunehmen, während eine andere zugleich zurückgehe. Kaspersky Lab schulte gemeinsam mit AFRIPOL über sechs Monate hinweg Strafverfolgungsbeamte aus 23 Ländern.

Ob der Rückgang in Afrika von Dauer ist, bleibt offen. Der Check-Point-Bericht dokumentiere zwar einen erheblichen Jahresrückgang, dieser allein genüge aber nicht, um zwischen einer dauerhaften strukturellen Verschiebung und einer vorübergehenden Schwankung zu unterscheiden, sagt Ian Van Rensburg, Leiter Security Engineering für Afrika bei Check Point Software. Als Gegenbeispiel nennt er Ransomware: 55 Prozent der Angriffe richten sich gegen Unternehmen und Einrichtungen in Nordamerika, während auf afrikanische Organisationen nur 2 Prozent entfallen — ein Hinweis darauf, dass Afrika in diesem Datensatz kein bedeutender Opferschwerpunkt war.