Nach Angaben von Wissenschaftsminister Ian Murray informierte die UK Biobank die Regierung zu Wochenbeginn über den Vorfall. Drei Forschungseinrichtungen seien als Ursprung der Veröffentlichung ausgemacht worden. Ihr Zugang zu den Daten wurde entzogen, und die Organisation wurde aufgefordert, weitere Datenzugriffe auszusetzen, während die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden.

„Das war kein Leck. Das war ein rechtmäßiger Download durch eine ordnungsgemäß akkreditierte Organisation", erklärte Murray. Damit unterstrich er, dass die Daten nicht durch einen Angriff von außen, sondern über einen legitimen Zugang abgeflossen waren.

Die UK Biobank erklärte, die betroffenen Daten seien „anonymisiert" gewesen und hätten weder Namen noch Adressen oder NHS-Nummern enthalten. Allerdings umfassten sie Geschlecht, Alter, Geburtsmonat und -jahr sowie Angaben zum sozioökonomischen Status und zum Lebensstil. Datenschutzexperten haben bereits zuvor gewarnt, dass solche Informationen ausreichen können, um einzelne Personen zu identifizieren – insbesondere, wenn sie mit anderen öffentlich verfügbaren Daten abgeglichen werden.

Biobank-Geschäftsführer Sir Rory Collins entschuldigte sich in einer Mitteilung an die Teilnehmenden und erklärte, die Organisation habe den Zugang zu ihrer Forschungsplattform vorübergehend vollständig ausgesetzt. Als Übergangsmaßnahme werde die Größe der Dateien begrenzt, die sich von der Plattform exportieren lassen. Ein umfassenderes, automatisiertes Prüfsystem werde voraussichtlich erst gegen Ende 2026 einsatzbereit sein.

Die UK Biobank hat sich selbst beim Information Commissioner’s Office (ICO) angezeigt. Diese Behörde kann Organisationen, die personenbezogene Daten nicht sicher aufbewahren, mit Geldbußen von bis zu vier Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes belegen. Bei Einrichtungen des öffentlichen Sektors und gemeinnützigen Organisationen sind solche Strafen jedoch selten.

Die mit staatlichen und gemeinnützigen Mitteln aufgebaute Biobank-Datenbank umfasst mehr als 15 Millionen biologische Proben und Gesundheitsdaten von Freiwilligen, die zwischen 2006 und 2010 angeworben wurden. Forschende weltweit nutzen sie zur Untersuchung von Krankheiten wie Krebs, Demenz und Diabetes.

Ein Bericht des „Guardian" ergab im vergangenen Jahr, dass jeder fünfte erfolgreiche Antrag auf Zugang zu den Daten der UK Biobank aus China stammte – darunter von Forschern, die mit BGI verbunden sind, Chinas größtem Genomik-Unternehmen. BGI wurde von den USA sanktioniert, weil es im Verdacht steht, die Überwachung ethnischer Minderheiten unterstützt zu haben.

Die US-Regierung hat wiederholt vor den Risiken gewarnt, die mit dem chinesischen Zugang zu westlichen Gesundheits- und Genomdaten verbunden sind. Im März 2023 setzte das US-Handelsministerium BGI auf seine Handelsschwarzliste und erklärte, die Erhebung und Auswertung genetischer Informationen durch das Unternehmen berge die Gefahr, dass die Daten an Chinas Militärprogramme weitergeleitet würden. BGI und die chinesische Regierung wiesen alle Vorwürfe zurück.

Eine separate Einschätzung der US-Geheimdienste bezeichnet umfangreiche Gesundheits- und Genomdaten als „strategisches Gut", das China für „wirtschaftliche und nationale Sicherheitsinteressen" sammle. Anders als ein kompromittiertes Passwort ließen sich genetische Daten „nicht ersetzen".