Das Ausmaß des Betrugsnetzwerks ist erschreckend: Kok Ans Flaggschiff-Unternehmen Crown Resorts betreibt Casinos, Resorts und Hotels in Grenzstädten wie Poipet, Sihanoukville und Bavet. Diese Einrichtungen wurden systematisch in Zentren für digitale Betrugskriminalität umgewandelt. Besonders schockierend sind Berichte von Menschenhandelsopfern, die in diesen Zentren festgehalten und gezwungen wurden, täglich eine bestimmte Anzahl von Betrugsopfern zu kontaktieren – unter Androhung von Schlägen.
Die Ermittlungen zeigen ein perfides System: Kok An selbst bezieht Mieteinnahmen von den Betrügern und stellt ihnen Sicherheitsdienste zur Verfügung. Seine Verbindungen zu Kambodschas Machteliten schützten das Netzwerk lange vor Strafverfolgung. Thailand war das erste Land, das handelte: Im Juli des Vorjahres erließ die Justiz einen Haftbefehl gegen Kok An und beschlagnahmte Vermögenswerte im Wert von über 33,8 Millionen Dollar.
Die Finanzströme sind international: Opfer wurden mit gefälschten Kryptowährungsinvestitionsangeboten gelockt. Das Geld floss über amerikanische Bankkonten in Konten im Ausland – besonders nach Kambodscha. Der US Secret Service verfolgte mindestens 1,3 Millionen Dollar auf Konten des Kasino-Besitzers Luo Hong. Ein Geldwäscher namens Daren Li verarbeitete über 73,6 Millionen Dollar gestohlener Gelder, bevor er mit abgesägtem Fußfessel-Monitor im Dezember in die USA flüchtete und später zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.
Parallel zu den Sanktionen gegen Kok An startete das US-Justizministerium die “Scam Center Strike Force”. Diese Taskforce beschlagnahmte 503 Web-Domains, die für gefälschte Kryptowährungs-Investmentfirmen missbraucht wurden. Zwei chinesische Staatsangehörige wurden wegen Betrugs bei der Betreibung von Kryptowährungs-Betrügereien angeklagt.
Besonders absurd: Zwei Wochen vor den Sanktionen stimmten sowohl Kok An als auch der ebenfalls sanktionierte Senator Ly Yong Phat – mit dem Kok An durch familiäre Verflechtungen verbunden ist – für ein neues kambodschanisches Gesetz mit harten Strafen für Betrugszentren-Betreiber. Das wirft Fragen zur Ernsthaftigkeit der Reformbemühungen auf.
Die Gesamtdimension ist gigantisch: Das Betrugszentrum-Ökosystem in Myanmar, Kambodscha und Laos generiert etwa 44 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr wurden über 16 Milliarden Dollar von US-Bürgern durch Investment- und Romantikbetrüge gestohlen. Die FBI hat seit Januar 2024 über 8.900 Opfer von Kryptowährungsbetrug benachrichtigt – manche wollten Häuser verkaufen oder Rentenfonds liquidieren, um die Betrüger zu zahlen.
