Die zweite der beiden Kampagnen nutzte gezielt Schwächen im Signaling System 7 (SS7), einem Satz von Protokollen für Mobilfunknetze. Diese Protokolle werden seit Langem von Angreifern missbraucht, weil sie der zentrale Weg sind, über den die Netze Anrufe und Textnachrichten an die Kontakte der Nutzer übermitteln.

SS7 kommt vor allem in älteren 3G-Netzen zum Einsatz. Laut Bericht ist der Protokollsatz besonders angreifbar, weil er die Herkunft von Signalisierungsnachrichten weder prüft noch authentifiziert und keine Verschlüsselung verwendet. Daneben konnten die Überwachungsanbieter auch die Diameter-Protokolle angreifen, die in neueren 4G- und 5G-Netzen zum Einsatz kommen. Diameter wurde zwar mit Sicherheitsfunktionen entwickelt, die SS7 fehlen – viele Betreiber haben diese Schutzmaßnahmen dem Bericht zufolge jedoch nicht umgesetzt.

Beide Kampagnen liefen über dieselben drei Mobilfunknetze. Diese tauchten – so der Bericht – wiederholt als Eintritts- und Durchgangspunkte der Überwachung innerhalb des Telekom-Ökosystems auf. Sie fungierten als Übergänge, über die Datenverkehr durch vertrauenswürdige Signalisierungs-Verbindungen geleitet werde, während sie zugleich Angreifern Zugang gewährten, die sich hinter ihrer Infrastruktur verbergen.

Hinweise, die die Forscher zutage förderten, legen nach Angaben von Mitautor Gary Miller nahe, dass ein israelisches Unternehmen hinter der Überwachung stehen könnte. „Die eingesetzten Techniken waren gezielt darauf ausgelegt, die Quelle zu verschleiern“, sagte Miller in einem Interview. Bei der Analyse der Leitwege des Datenverkehrs – Verkehr, der in das Mobilfunk-Ökosystem eingespeist wird – habe er jedoch erkennen können, dass die Spur nach Israel zurückführe.

Während die Untersuchung des Citizen Lab insofern einzigartig sei, als sie konkrete Beispiele für solche Angriffe benenne, seien diese laut Miller keineswegs selten. „Wir reden nicht von ein paar wenigen Spyware-Versuchen“, sagte er. Es handele sich um gewaltige Mengen unautorisierten Datenverkehrs, von dem mehr als 90 Prozent von Dritten erzeugt würden, die sich Zugang zur Mobilfunk-Signalisierungsumgebung verschafften. Das Problem sei riesig und bislang nicht angegangen worden.