Im September 2024 platzte ein Skandal, der seit Jahren im Verborgenen lief: Das US-Justizministerium deckte auf, dass der chinesische Ingenieur Song Wu ein multijähriges Phishing-Komplott orchestriert hatte, um amerikanische Rüstungstechnologie zu stehlen. Sein Ziel waren Experten bei NASA, dem Pentagon und führenden Technologieunternehmen — alle ahnungslos davon, dass sie mit einer Kunstfigur korrespondierten.
Die Methode: Perfekte Täuschung
Song Wu, 40 Jahre alt und beschäftigt bei der Aviation Industry Corporation of China (AVIC), einem Staatskonzern der chinesischen Rüstungsindustrie, arbeitete nach einem bewährten Playbook: Er recherchierte gründlich seine Ziele, gab sich als amerikanischer Ingenieur aus und kontaktierte Forscher und Entwickler über E-Mail. Die Opfer hielten ihn für einen Kollegen oder Freund — und teilten ungesichert sensitive Software, Quellcodes und technische Dokumentationen.
Das NASA-Inspektorat fasste es prägnant zusammen: “Jahrelang dachten NASA-Mitarbeiter, sie würden Softwarepakete mit Kollegen teilen. Tatsächlich schickten sie sensitive Rüstungstechnologie an einen chinesischen Spion.”
Die Beute war hochbrisant: Modellierungssoftware für Aerospace-Design mit direkter Anwendung in der Waffentechnik. Das FBI warnt explizit, dass die geklaute Software zur Entwicklung taktischer Flugkörper und zur Berechnung aerodynamischer Eigenschaften von Waffen verwendet werden kann.
Verräterische Muster
Doch Song machte entscheidende Fehler, die sein Spiel verraten hätten — wenn man hingesehen hätte: Er forderte mehrfach dieselbe Software an, ohne überzeugend begründen zu können, warum er sie brauchte. Er schlug ungewöhnliche Zahlungsmethoden vor, änderte plötzlich Zahlungsbedingungen und nutzte fragwürdige Versandkanäle, um seine Identität zu verschleiern und Exportbeschränkungen zu umgehen.
Anklage und offene Fragen
Song wurde auf der US-Most-Wanted-Liste aufgeführt. Die Anklage umfasst Drahtbetrug und 14 Zählungen schwerer Identitätsdiebstahl. Pro Drahtbetrug drohen bis zu 20 Jahre Haft. Wu bleibt bis heute untergetaucht — vermutlich unter dem Schutz der chinesischen Behörden.
Der Fall ist ein Lehrstück über die Verletzlichkeit offener wissenschaftlicher Kulturen gegenüber staatlich organisierter Spionage. Deutsche Forschungseinrichtungen und Rüstungsunternehmen sollten diese Warnung ernst nehmen und ihre Sicherheitsprotokolle überprüfen.
