Die FakeWallet-Kampagne ist ein Lehrbuchbeispiel für die zunehmende Professionalität von Kryptokriminellen. Die 26 identifizierten Apps imitierten bekannte Wallet-Anwendungen wie Bitpie, Coinbase, imToken, Ledger, MetaMask, TokenPocket und Trust Wallet. Laut Kaspersky-Forscher Sergey Puzan wurden die Apps speziell entwickelt, um Recovery Phrases und private Schlüssel zu kapern.
Besonders raffiniert ist die Verteilungsmethode: Die Apps waren direkt im Apple App Store verfügbar – allerdings nur für Nutzer, deren Apple-Konto auf die chinesische Region eingestellt ist. Dies umgeht bisherige geografische Sicherheitsbarrieren des App Stores und deutet auf gezielt entwickelte Evasionsmechanismen hin.
Die Angreifer nutzen mehrere Techniken, um Seed Phrases abzugreifen. Einige Apps lenken Nutzer auf Phishing-Seiten, die wie echte Wallet-Interfaces aussehen und Nutzer zur Eingabe ihrer Recovery Phrases auffordern – angeblich zu Verifizierungszwecken. Andere Apps injizieren bösartige Code-Module, die das Eingabefeld für Recovery Phrases “abhaken” und die eingegebenen Daten an externe Server übermitteln. Besonders bemerkenswert: Ein Modul nutzt optische Zeichenerkennung (OCR), um Recovery Phrases automatisch zu erfassen.
Kaspersky-Forscher vermuten Verbindungen zur SparkKitty-Trojan-Kampagne des Vorjahres. Beide Operationen deuten auf native Chinesisch-Sprecher hin und folgen ähnlichen Taktiken bei der Zielausrichtung auf Kryptovermögen.
Das Vorgehen zeigt ein weiteres Muster in der Kryptokriminellen-Szene: Angreifer diversifizieren zunehmend ihre Techniken. Während die FakeWallet-Apps direkt aus dem App Store kommen, setzen andere Malware-Familien wie MiningDropper auf Android-Geräte ab. Dieses Framework kombiniert Krypto-Mining mit Informationsdiebstahl und Banking-Malware und wurde über trojanisierte Versionen der Open-Source-App Lumolight verbreitet.
Für deutsche Nutzer ist die unmittelbare Gefahr begrenzt, solange ihre Apple-Region nicht auf China eingestellt ist. Allerdings zeigt die Entdeckung: Die Sicherheitskontrollen selbst großer App-Stores haben Lücken. Nutzer sollten daher verstärkt auf verdächtige Tippfehler in App-Namen achten, Wallets nur von verifizierten Quellen herunterladen und ihre Recovery Phrases unter keinen Umständen digital eingeben.
