Die Branche tritt laut George in eine neue Phase ein, in der KI nicht mehr nur empfiehlt, sondern selbst handelt. Entwicklungen wie Mythos, ein KI-Framework für komplexe, mehrstufige Cyberoperationen, zeigten dabei Chancen und Risiken zugleich. Denn dieselben Fähigkeiten, von denen Verteidiger profitieren, stärken auch Angreifer.
George beschreibt dies nicht als theoretisches Szenario: Erste eigenständig agierende KI-Agenten sondieren bereits Umgebungen, nutzen Fehlkonfigurationen aus und geben sich als legitime Nutzer aus. Angreifer müssten nicht länger jeden Schritt selbst steuern, sondern könnten Agenten einsetzen, die sich wie Identitäten verhalten.
Mehrere Akteure aus der Branche untermauern den Trend. Die Cloud Security Alliance erwartet eine Zunahme gleichzeitiger KI-gestützter Angriffe und fordert Verteidiger auf, KI mit KI zu bekämpfen. OpenAI hat sein Programm Trusted Access for Cyber ausgeweitet, um Tausende verifizierte Verteidiger und Hunderte Sicherheitsteams zu unterstützen. Gartner prognostiziert für 2026 ein Wachstum der KI-Ausgaben um 44 Prozent und bis 2029 ein Volumen von 47 Billionen Dollar — weit mehr als die für 2026 erwarteten 238 Milliarden Dollar für Lösungen im Bereich Informationssicherheit und Risikomanagement.
George warnt zugleich vor einem bekannten Muster: Jeder große Umbruch in der Cybersicherheit habe eine Welle von Einzellösungen ausgelöst, mit der Folge von Werkzeug-Wildwuchs, isolierter Sichtbarkeit und operativer Komplexität — Lücken, die häufig Angreifern nützten. Bei den Risiken agentischer KI zeichne sich dieselbe Entwicklung ab. Organisationen bräuchten jedoch nicht noch mehr Dashboards, sondern besseren Kontext und mehr Kontrolle über die Entitäten in ihren Umgebungen, ob menschlich oder maschinell.
Auf der parallel stattfindenden AGC Cybersecurity Investor Conference kamen Fachleute und Branchenvertreter zu einem pragmatischeren Schluss: Organisationen sollten KI wie eine Identität behandeln. Statt KI als neue Werkzeugkategorie mit eigenem Sicherheits-Stack zu betrachten, ordnet dieser Ansatz sie in das etablierte Feld der Identitätssicherheit ein. Denn agentische KI verhalte sich grundsätzlich wie eine Identität.
Daraus leitet George einen konkreten Kontrollpunkt ab: Lösungen zur Erkennung von Identitätsbedrohungen und zur Risikominderung. Sie analysieren das Verhalten über Anmeldedaten und Systeme hinweg und verbinden adaptive Verifizierung, Verhaltensanalyse, Geräteintelligenz und Risikobewertung in einer einheitlichen Plattform. Angewandt auf KI ließen sich so das Prinzip der geringsten Rechte durchsetzen, Zugriffe fortlaufend prüfen, auffälliges Verhalten erkennen und Reaktionen automatisieren — Fähigkeiten, die in modernen Frameworks der Identitätssicherheit bereits existieren und sich ohne neue Silos auf KI ausweiten ließen.
Sein Fazit: Künftig werde Cybersicherheit von Entitäten geprägt, die eigenständig handeln können — einige menschlich, viele nicht. Die wirksamste Strategie sei zugleich die einfachste: Was handeln kann, sollte wie eine Identität behandelt werden.
