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Trump-Administration geht gegen KI-Modell-Klau vor: China im Visier

Trump-Administration geht gegen KI-Modell-Klau vor: China im Visier
Zusammenfassung

Die Trump-Administration kündigt eine Offensive gegen chinesische Technologieunternehmen an, die gezielt Fähigkeiten aus amerikanischen KI-Modellen extrahieren sollen. In einem Memorandum warnt Michael Kratsios, der oberste Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten, vor industrialisierten Kampagnen chinesischer Akteure, die sogenannte „Distillation" nutzen – ein Verfahren, bei dem Fähigkeiten fortgeschrittener KI-Systeme auf günstigere Modelle übertragen werden. Diese Praktiken stellten einen gezielten Diebstahl amerikanischer Expertise dar. Das Vorgehen wird von einem parteiübergreifenden Gesetzesentwurf des House Foreign Affairs Committee unterstützt, der Sanktionen gegen solche Aktivitäten vorsieht. Die Auseinandersetzung verdeutlicht den intensiven globalen Wettbewerb im KI-Sektor: Während die USA lange technologische Überlegenheit genießen, hat China diesen Vorsprung deutlich verringert. Für deutsche Unternehmen und Behörden ist dies relevant, da ähnliche Schutzmechanismen europäische KI-Innovation gefährden könnten und die geplanten Maßnahmen transatlantische Technologiepartnerschaften beeinflussen. Zudem könnte ein verstärkter technologischer Protektionismus zwischen den USA und China europäische KI-Entwicklung entweder schützen oder unter Druck setzen.

Die Trump-Administration verstärkt ihre Anstrengungen im Kampf um die technologische Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz. Michael Kratsios, Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten, hat in einem Memo vom Donnerstag gezielt chinesische Unternehmen beschuldigt, in großem Maßstab Funktionen aus amerikanischen KI-Systemen zu extrahieren und diese dann zu kommerzialisieren. Die Administration kündigte an, gemeinsam mit amerikanischen KI-Unternehmen gegen solche Aktivitäten vorgehen zu wollen – durch Identifikation, Abwehr und Bestrafung von Verursachern.

Der Hintergrund dieser Offensive ist bemerkenswert: Laut eines Berichts der Stanford University hat sich die Leistungslücke zwischen chinesischen und amerikanischen Top-KI-Modellen faktisch geschlossen. China hat massiv aufgeholt und bedroht damit die lange US-Dominanz in diesem strategischen Bereich.

Zentral für die Vorwürfe ist die sogenannte Model-Distillation – ein Verfahren, bei dem ein einfacheres Modell die Outputs eines leistungsstärkeren Modells analysiert und von ihm «lernt». Während Distillation grundsätzlich ein legitimes Trainingsverfahren ist, kritisieren US-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic, dass chinesische Konkurrenten diese Technik zur unbefugten Aneignung fremder Innovationen missbrauchen würden.

Das prominenteste Beispiel: Die chinesische Startup DeepSeek schockierte 2024 die US-Märkte mit ihrem Sprachmodell, das mit US-Systemen konkurrieren konnte – bei Bruchteilen der Entwicklungskosten. OpenAI und andere Unternehmen werfen DeepSeek vor, genau diese Distillations-Technik genutzt zu haben.

Bereits im Kongress gibt es Unterstützung für diese Linie: Das House Foreign Affairs Committee unterstützte einstimmig und überparteilich einen Gesetzentwurf, der Sanktionen gegen Akteure vorsieht, die geschlossene US-KI-Modelle unbefugt ausnutzen. Sponsor Rep. Bill Huizenga nennt Model-Extraction-Angriffe «die neueste Front chinesischer wirtschaftlicher Erpressung».

China antwortet mit Gegenkritik: Die chinesische Botschaft in Washington weist die Vorwürfe zurück und spricht von «ungerechtfertigter Unterdrückung». Das Außenministerium in Beijing bezeichnete die US-Vorwürfe als grundlos und Verleumdung der chinesischen KI-Industrie.

Interessanterweise funktioniert dieser Wissenstransfer nicht nur in eine Richtung: Die US-Startup Anysphere gab zu, ihr neues Produkt auf einem Open-Source-Modell der chinesischen Firma Moonshot AI aufgebaut zu haben.

Experten wie Kyle Chan vom Brookings Institution warnen allerdings: Es sei «wie die Suche nach Nadeln im Heuhaufen», zwischen illegaler Distillation und legitimen Datenanfragen zu unterscheiden. Dennoch könnten bessere Informationsaustauschs unter US-Labs und staatliche Unterstützung helfen.