Die Trump-Administration verstärkt ihre Anstrengungen im Kampf um die technologische Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz. Michael Kratsios, Wissenschafts- und Technologieberater des Präsidenten, hat in einem Memo vom Donnerstag gezielt chinesische Unternehmen beschuldigt, in großem Maßstab Funktionen aus amerikanischen KI-Systemen zu extrahieren und diese dann zu kommerzialisieren. Die Administration kündigte an, gemeinsam mit amerikanischen KI-Unternehmen gegen solche Aktivitäten vorgehen zu wollen – durch Identifikation, Abwehr und Bestrafung von Verursachern.
Der Hintergrund dieser Offensive ist bemerkenswert: Laut eines Berichts der Stanford University hat sich die Leistungslücke zwischen chinesischen und amerikanischen Top-KI-Modellen faktisch geschlossen. China hat massiv aufgeholt und bedroht damit die lange US-Dominanz in diesem strategischen Bereich.
Zentral für die Vorwürfe ist die sogenannte Model-Distillation – ein Verfahren, bei dem ein einfacheres Modell die Outputs eines leistungsstärkeren Modells analysiert und von ihm «lernt». Während Distillation grundsätzlich ein legitimes Trainingsverfahren ist, kritisieren US-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic, dass chinesische Konkurrenten diese Technik zur unbefugten Aneignung fremder Innovationen missbrauchen würden.
Das prominenteste Beispiel: Die chinesische Startup DeepSeek schockierte 2024 die US-Märkte mit ihrem Sprachmodell, das mit US-Systemen konkurrieren konnte – bei Bruchteilen der Entwicklungskosten. OpenAI und andere Unternehmen werfen DeepSeek vor, genau diese Distillations-Technik genutzt zu haben.
Bereits im Kongress gibt es Unterstützung für diese Linie: Das House Foreign Affairs Committee unterstützte einstimmig und überparteilich einen Gesetzentwurf, der Sanktionen gegen Akteure vorsieht, die geschlossene US-KI-Modelle unbefugt ausnutzen. Sponsor Rep. Bill Huizenga nennt Model-Extraction-Angriffe «die neueste Front chinesischer wirtschaftlicher Erpressung».
China antwortet mit Gegenkritik: Die chinesische Botschaft in Washington weist die Vorwürfe zurück und spricht von «ungerechtfertigter Unterdrückung». Das Außenministerium in Beijing bezeichnete die US-Vorwürfe als grundlos und Verleumdung der chinesischen KI-Industrie.
Interessanterweise funktioniert dieser Wissenstransfer nicht nur in eine Richtung: Die US-Startup Anysphere gab zu, ihr neues Produkt auf einem Open-Source-Modell der chinesischen Firma Moonshot AI aufgebaut zu haben.
Experten wie Kyle Chan vom Brookings Institution warnen allerdings: Es sei «wie die Suche nach Nadeln im Heuhaufen», zwischen illegaler Distillation und legitimen Datenanfragen zu unterscheiden. Dennoch könnten bessere Informationsaustauschs unter US-Labs und staatliche Unterstützung helfen.
