Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hat angekündigt, dass seine Regierung noch bis Ende des Jahres einen Gesetzentwurf einbringen will, der Kindern unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien verbietet. Das geht aus einer Mitteilung des Regierungschefs hervor.
Konkret sieht der Vorschlag vor, dass Kinder erst ab dem 1. Januar des Jahres, in dem sie ihr 16. Lebensjahr erreichen, soziale Medien nutzen dürfen. Der Entwurf soll zudem Regelungen enthalten, die große Technologieunternehmen verpflichten, mithilfe von Verfahren zur Altersprüfung den Zugang junger Nutzer zu unterbinden.
„Wir bringen dieses Gesetz auf den Weg, weil wir eine Kindheit wollen, in der Kinder Kinder sein dürfen", erklärte Støre. „Spiel, Freundschaften und Alltag dürfen nicht von Algorithmen und Bildschirmen vereinnahmt werden. Das ist eine wichtige Maßnahme, um das digitale Leben von Kindern zu schützen."
Ob aus dem Vorhaben tatsächlich ein Gesetz wird, ist offen. Støre gehört der Arbeiterpartei an, die im norwegischen Parlament keine Mehrheit hat. Eingebracht werden soll die Vorlage laut einer Presseerklärung seines Büros noch vor Jahresende.
Der norwegische Vorstoß steht nicht allein. In mehreren europäischen Ländern haben Regierungen zuletzt vergleichbare Beschränkungen angekündigt. In diesem Monat stimmte der französische Senat für ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 15 Jahren; die letzten Details müssen noch mit der Nationalversammlung ausgehandelt werden. Rückhalt erhält das Vorhaben von Präsident Emmanuel Macron, der erklärte, die Gefühle von Kindern dürften nicht „zum Verkauf stehen oder von amerikanischen Plattformen und chinesischen Algorithmen manipuliert werden".
Auch die Europäische Union arbeitet an einem Social-Media-Verbot für jüngere Jugendliche. Im Februar kündigte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez an, seine Regierung wolle Kindern bis einschließlich 15 Jahren den Zugang sperren. Ebenfalls im Februar erklärte die niederländische Regierung, sie wolle ein Mindestalter von 15 Jahren für die Nutzung sozialer Medien festlegen.
In Großbritannien läuft im Rahmen einer öffentlichen Konsultation ein Pilotprojekt mit mehreren Hundert Familien, in dem verschiedene Beschränkungen erprobt werden, um zu prüfen, ob und wie sich schädliche Folgen sozialer Medien für jüngere Jugendliche eindämmen lassen. Premierminister Keir Starmer setzt sich nachdrücklich für ein Verbot ein und erklärte, Kindsein dürfe nicht bedeuten, „ständig von Fremden beurteilt zu werden oder unter dem Druck zu stehen, für Likes etwas leisten zu müssen".
