Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre setzt ein klares Zeichen gegen die unkontrollierte Social-Media-Nutzung von Kindern. Die geplante Gesetzesvorlage würde es unter 16-Jährigen verbieten, Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook zu nutzen. Ab dem 1. Januar des Jahres, in dem Kinder 16 Jahre alt werden, sollen sie Zugang erhalten dürfen – eine pragmatische Regelung, die eine klare Grenzziehung schafft.
Entscheidend ist die geplante Rechenschaftspflicht für Technologiekonzerne. Sie müssen künftig Altersverifikationsmechanismen implementieren, um Minderjährige effektiv auszusperren. Dies adressiert ein Kernproblem: Bisher verlassen sich Plattformen vorwiegend auf Selbstdeklarationen, die Jugendliche problemlos umgehen können. Eine echte technische Barriere könnte einen Unterschied machen.
Allerdings zeigt sich eine politische Hürde: Støres Arbeiterpartei hat im norwegischen Parlament keine absolute Mehrheit, weshalb unklar ist, ob das Gesetz Realität wird. Dennoch passt der Vorschlag in einen größeren europäischen Trend.
Frankreich ist vorangegangen: Das Französische Senat verabschiedete kürzlich ein Verbot für unter 15-Jährige, das noch mit der Nationalversammlung abgestimmt werden muss. Präsident Macron unterstützt dies vehement und kritisiert, dass Kinderemotionen nicht “zum Verkauf stehen oder von amerikanischen Plattformen und chinesischen Algorithmen manipuliert” werden dürfen.
Spanien kündigte im Februar an, Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu verbieten. Die Niederlande setzen die Altersgrenze auf 15 Jahre. Großbritannien testet derzeit in Pilotprogrammen verschiedene Beschränkungsmaßnahmen und nimmt Premierminister Keir Starmer deutlich Position für ein Verbot ein.
Die Europäische Union selbst arbeitet an übergreifenden Regulierungen. Der Hintergrund ist medizinisch fundiert: Forschungen zeigen Zusammenhänge zwischen exzessiver Social-Media-Nutzung und psychischen Belastungen bei Jugendlichen.
Deutschland beobachtet diese Entwicklung aufmerksam. Während hierzulande noch keine vergleichbaren Gesetzesentwürfe vorliegen, könnten europäische Standards künftig Druck auf Bundestag und Bundesregierung ausüben. Tech-Konzerne müssen sich jedenfalls auf erhebliche Regulierungen einstellen – ein Signal, das auch deutsche Unternehmensverbände und Datenschützer registrieren werden.
