Nach Darstellung des Toronto Police Service zeichneten die Behörden mehr als 13 Millionen Netzstörungen auf, die mit den Geräten in Verbindung stehen. Diese Störungen konnten Telefone vorübergehend daran hindern, sich mit legitimen Mobilfunknetzen zu verbinden, und so für Zeiträume von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten den Zugang zu Notdiensten wie der Notrufnummer 911 einschränken.

„Das ist eine neue und aufkommende Bedrohung in Kanada – eine, die fortschrittliche Technik nutzt, um Tausende Menschen auf einmal zu erreichen und ihr Vertrauen auszunutzen", erklärte der stellvertretende Polizeichef Robert Johnson. Besonders besorgniserregend sei das Ausmaß und die Wirkung: Es habe sich nicht gegen eine einzelne Person oder ein einzelnes Unternehmen gerichtet, sondern habe Tausende Geräte gleichzeitig erreichen können.

SMS-Blaster funktionieren, indem sie legitime Mobilfunk-Basisstationen imitieren und nahe gelegene Telefone dazu bringen, sich mit ihnen statt mit den offiziellen Netzen zu verbinden. Sobald ein Telefon verbunden ist, können Angreifer Textnachrichten verschicken, die scheinbar von vertrauenswürdigen Organisationen wie Banken oder Behörden stammen. Diese Nachrichten enthalten typischerweise Links zu betrügerischen Websites, die sensible Daten wie Bankzugangsdaten oder Passwörter abgreifen sollen – eine Methode, die als „Smishing" oder SMS-Phishing bekannt ist.

Weil das Gerät als manipulierter Mobilfunkmast agiert, können Telefone in der Nähe vorübergehend ihre Verbindung zu legitimen Netzen verlieren, solange sie mit dem System verbunden sind.

Ähnliche Angriffe wurden bereits aus mehreren Ländern gemeldet, darunter Griechenland, Thailand, Indonesien, Katar und das Vereinigte Königreich. Häufig waren dabei gefälschte Basisstationen in Fahrzeugen versteckt, die durch dicht besiedelte Gebiete gefahren wurden. In einem Fall im vergangenen Jahr nahm die thailändische Polizei zwei Verdächtige fest, die zugaben, von einem chinesischen Auftraggeber angeheuert worden zu sein, um mit in einem Auto versteckter Telekommunikationsausrüstung täglich Tausende Phishing-Nachrichten zu verbreiten. Ein chinesischer Student in London wurde im Juni zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt, weil er ein ähnliches System betrieben hatte, während er durch die Stadt fuhr.

Die kanadische Polizei machte keine Angaben zur Identität der Verdächtigen und teilte nicht mit, ob Opfer finanzielle Verluste erlitten. Die Ermittlungen dauern an.