Das Justizministerium der USA gab am Freitag Details einer beispiellosen Aktion gegen Cybercrime-Zentren in Südostasien bekannt. Die sogenannte Scam Center Strike Force, ein Zusammenschluss aus dem US-Justizministerium, dem FBI und dem Secret Service, hat koordiniert gegen ein riesiges illegales Netzwerk vorgegangen.
Das Ausmaß ist beachtlich: Allein 2025 verloren Amerikaner knapp 21 Milliarden Dollar durch Cybercrime und Online-Betrug, wie das FBI mitteilte. Doch die Auswirkungen sind global. Deutsche Opfer dieser Betrugsnetzwerke sind nicht selten – besonders Romance-Scams und Kryptowährungs-Betrügereien zählen zu den häufigsten Angriffsmustern.
Zentrales Ziel der Aktion ist der kambodschanische Senator Kok An. Das US-Finanzministerium sperrte seine in den USA befindlichen Vermögenswerte und untersagte US-amerikanischen Unternehmen die Geschäftstätigkeit mit ihm. Der Senat Kambodschas verweist auf parlamentarische Immunität, bestätigte aber nicht die Vorwürfe selbst. Dies ist bereits der zweite kambodschanische Senator, den Washington sanktioniert – im Jahr 2024 traf es Ly Yong Phat ähnlich.
Neben Kok An wurden 28 weitere Personen und Organisationen mit Sanktionen belegt. Außerdem wurden zwei chinesische Staatsangehörige, Huang Xing Shan und Jiang Wen Jie, angeklagt. Sie sollen ein großes Betrugszentrum in Myanmar geleitet haben und versucht haben, ihre Operationen nach Kambodscha zu verlegen. Beide werden derzeit von Thailand aufgrund von Immigrationsverstößen festgehalten; die USA beantragen ihre Auslieferung.
Ein besonders düsteres Element dieser Operationen ist die Verbindung zu Menschenhandel und Zwangsarbeit. Ausländische Staatsbürger werden oft mit falschen Jobangeboten rekrutiert und anschließend unter sklavenähnlichen Bedingungen zu Betrugsanrufen gezwungen – ein Phänomen, das die UN und internationale Experten zunehmend dokumentieren.
Die Aktion wurde durch einen Zufall katalysiert: Im November entdeckten FBI-Agenten in Thailand ein verlassenes Betrugszentrum in Myanmar mit über 8.000 Mobiltelefonen und 1.500 Computern – ein Beweisschatz, der zu den aktuellen Anklagen führte.
Kambodscha selbst hat reagiert und im März ein Gesetz verabschiedet, das Online-Scam-Operationen unter Strafe stellt – mit Gefängnisstrafen bis zu lebenslang. Die Regierung verpflichtete sich, alle Betrugszentren bis Ende April zu schließen. Ein Schritt, der möglicherweise unter internationalen Druck erfolgte: Im Januar extradierte Kambodscha Chen Zhi, angeblichen Gründer des “Prince Holding Group”-Konglomerats, an China – obwohl die USA ihn ebenfalls wegen massiver Betrugsvorfälle angefordert hatten.
Für deutsche Behörden und Unternehmen bleibt die Lage ernst. Das BSI warnt kontinuierlich vor Betrugsmaschen, die aus Südostasien stammen. DSGVO-Verletzungen durch solche Netzwerke können erhebliche Bußgelder bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes nach sich ziehen, wenn Datenschutzverstöße nachgewiesen werden.
