Forscher des Digital Forensic Research Lab (DFRLab) identifizierten eine koordinierte Kampagne zur Beeinflussung der Wahlen für das tibetische Exilparlament am vergangenen Wochenende. Die Operation ist Teil von Spamouflage, einem langfristig aktiven Netzwerk, das dem chinesischen Regime zugeordnet wird und bereits seit Jahren für Desinformationskampagnen bekannt ist.
Das Netzwerk setzte 90 Facebook-Konten und 13 Instagram-Profile ein, um gezielt gegen die Exilregierung und deren Führungsperson Penpa Tsering zu agitieren. Tsering, ein ausgesprochener Kritiker Pekings und Befürworter von Tibeterrrechten, war im Februar wiedergewählt worden. Die Desinformationskampagne versuchte, ihn als korrupt und machtgierig darzustellen und gleichzeitig die Legitimität der Wahlen selbst infrage zu stellen.
“Das Netzwerk versucht, Spaltung innerhalb der Gemeinschaft zu schaffen”, heißt es in dem Bericht des DFRLab. Jedoch zeigten die Beiträge “praktisch keinerlei organisches Engagement”. Die Posts fanden in der tibetischen Diaspora-Gemeinde, die sich über 27 Länder verteilt, kaum Widerhall.
Dies ist bemerkenswert, da Spamouflage zunehmend technisch ausgefeilte Taktiken einsetzt – insbesondere durch die Nutzung von KI-generierten Bildern. Trotzdem blieb die Kampagne wirkungslos. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass das Netzwerk auf gewöhnlich wirkende Profile mit begrenzter Reichweite statt auf etablierte Seiten mit größerer Follower-Basis setzte.
Das tibetische Exilparlament repräsentiert etwa 150.000 Tibeter, die außerhalb Chinas leben. Die Wahl am Wochenende sollte alle 45 Sitze des Parlaments neu besetzen. Offizielle Ergebnisse werden für den 13. Mai erwartet.
Die Kampagne ist nicht isoliert zu betrachten. DFRLab-Forscher dokumentierten ein Muster: Spamouflage richtet sich regelmäßig gegen tibetische Organisationen. 2025 zirkulierte das Netzwerk Korruptionsvorwürfe gegen das International Tibet Network, ein globales Bündnis von Tibet-fokussierten NGOs. Ähnliche Konten waren bereits in Kampagnen seit 2022 aktiv.
Bemerkenswert ist auch die Wiederverwendung von Konten: Einige Profile, die zuvor gegen Tibet-Organisationen mobilisiert wurden, bewarben kürzlich Content über die Philippinen. Spamouflage hat nachweislich auch die USA, Taiwans Wahlen 2024 und die japanische Politik ins Visier genommen.
Das Scheitern der Kampagne zeigt, dass selbst gut organisierte Desinformations-Operationen mit modernen Werkzeugen nicht automatisch erfolgreich sind, wenn sie auf oberflächliche Taktiken setzen. Die tibetische Diaspora erwies sich als widerstandsfähig gegenüber koordinierten Manipulationsversuchen.
