Laut DFRLab richtete sich die Operation gegen die Parlamentswahl, mit der alle 45 Sitze des Exilparlaments neu besetzt wurden. Die Wahl des politischen Anführers war bereits im Februar abgeschlossen worden: Damals sicherte sich Amtsinhaber Penpa Tsering, ein häufiger Kritiker Pekings und international für tibetische Rechte engagiert, eine zweite Amtszeit.

Die Forscher identifizierten 90 Facebook-Konten und 13 Instagram-Profile, die der Spamouflage-Kampagne zuzurechnen sind. Am häufigsten verbreiteten diese Konten persönliche Angriffe gegen Tsering und stellten ihn als korrupt und machthungrig dar. Andere Beiträge versuchten, die Legitimität der Wahl selbst in Zweifel zu ziehen, indem sie interne Debatten innerhalb der tibetischen Diaspora verstärkten und die Abstimmung als manipuliert darstellten.

Die Konten verstärkten diese Erzählungen, indem sie Beiträge wiederholt über das Netzwerk teilten und sie in bestehende Diskussionen in tibetischen Facebook-Gruppen einspeisten. Um ihre Reichweite zu erhöhen, posteten sie zudem in mehreren Diaspora-Gruppen.

Den meisten Beiträgen blieb laut den Forschern echte Resonanz jedoch verwehrt – wahrscheinlich, weil die Operation auf gewöhnlich wirkende Facebook-Profile mit begrenzter Reichweite setzte statt auf etablierte Seiten mit größerer Anhängerschaft.

Dem Bericht zufolge fügt sich die Aktivität in ein breiteres Muster ein, mit dem Spamouflage tibetische Organisationen im Netz ins Visier nimmt. 2025 verbreitete das Netzwerk Korruptionsvorwürfe gegen das International Tibet Network, einen weltweiten Zusammenschluss tibetbezogener Nichtregierungsorganisationen; einige der Konten waren bereits an früheren Kampagnen seit 2022 beteiligt.

Wiederholt verwendet das Netzwerk dieselben Konten, um Erzählungen gegen andere Länder zu befördern. Einige Profile wechselten den Forschern zufolge zuletzt zu Inhalten über die Philippinen; Spamouflage-Kampagnen richteten sich auch gegen die USA, die Wahlen in Taiwan 2024 und die japanische Politik.

Die Operation zeige zwar zunehmende technische Raffinesse – besonders durch den Einsatz KI-generierter Bilder –, bleibe aber weitgehend wirkungslos darin, die anvisierten tibetischen Gemeinschaften tatsächlich zu beeinflussen, so die Forscher.