Die Verurteilung von Evan Tangeman ist emblematisch für eine neue Welle organisierter Cyberkriminalität, die sich gezielt auf wohlhabende Kryptowährungs-Besitzer konzentriert. Die sogenannte Social Engineering Enterprise wurde 2023 gegründet – von einem 20-jährigen Singapurer namens Malone Lam, der seine Komplizen zunächst über Online-Gaming-Plattformen rekrutierte. Was folgte, war eine streng organisierte, transnational operierende Verbrechersyndikats-ähnliche Struktur mit spezialisierten Rollen: Datenbankenhacker, Call-Center-Operatoren, Einbrecher und eben Geldwäscher wie Tangeman.
Die Methoden waren perfide: Die Gang kompilierte Listen mit über 1.000 potenziellen Opfern aus gestohlenen Datenbanken und Darknet-Quellen. Dann kontaktierten Mitglieder die Ziele per Telefon, gaben sich als Apple- oder Google-Kundensupport aus und ergaunerten sich Zugangsdaten. Parallel liefen physische Einbrüche. Eine Opfer-Familie verlor zwischen 600.000 und 14 Millionen Dollar – insgesamt beliefen sich die Diebstähle auf etwa 260 bis 263 Millionen Dollar.
Tangemans Aufgabe war die Konvertierung: Er verwandelte gestohlene Kryptowährungen in echtes Geld und arrangierte über Immobilienmakler den Kauf von Villen – unter Verwendung falscher Namen. Diese Häuser dienten als Operationszentralen für weitere Verbrechen. Als Gegenleistung erhielt er extravagante Bezahlung: einen schwarzen Rolls Royce Ghost (über 300.000 Dollar), einen Porsche GT3 RS und Provisionen aus den Geldwäschen, die er für Luxusgüter ausgab.
Als die Gang-Führung 2024 verhaftet wurde, zeigte Tangeman sein wahres Gesicht: Er ordnete anderen an, Geräte zu zerstören und Spuren zu verwischen – ein klassisches Zeichen von Schuldeingeständnis. Seine Anwälte forderten nur 52 Monate, argumentierten mit fehlenden Vorstrafen und seiner Jugend. Richter Colleen Kollar-Kotelly sah das anders und verhängte 70 Monate plus drei Jahre Bewährung.
Tangeman ist der neunte Schuldige in diesem Fall. U.S. Attorney Jeanine Pirro fasste es prägnant zusammen: “Diese kriminelle Unternehmung war so von Gier getrieben, dass sie fast karikatureskhaft wirkt.” Der Fall verdeutlicht ein globales Risiko für Kryptowährungshalter – unabhängig von Nationalität. Deutsche Behörden und private Investoren sollten die Warnsignale ernst nehmen und ihre Sicherheitsmaßnahmen gegen Social Engineering verstärken.
