Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft kauften Richards und ihre Komplizen zwischen Juli 2018 und Januar 2023 zehntausende echter COA-Etiketten für Windows 10 und Microsoft Office von einem in Texas ansässigen Unternehmen. Dafür zahlten sie Millionenbeträge zu Preisen, die weit unter dem Einzelhandelswert lagen.

Statt die Etiketten gemeinsam mit der zugehörigen Software zu verkaufen, wie es das US-Bundesrecht vorschreibt, ließ Richards ihre Angestellten die Produktschlüssel von Hand ablesen und in Excel-Tabellen übertragen. Die so extrahierten Microsoft-Lizenzschlüssel verkauften sie anschließend in großen Mengen an Kunden weltweit. An den Lieferanten überwiesen sie zwischen 2018 und 2023 insgesamt 5.148.181,50 Dollar.

In der Anklageschrift heißt es, die einzige zulässige Form der Weitergabe eines Windows-OEM-COA bestehe darin, dass es entweder auf dem Computer angebracht sei, auf dem die Software installiert wurde, oder dem vollständigen, versiegelten OEM-Paket samt COA-Etikett und Lizenz beiliege. Die Etiketten dürften nicht einzeln und losgelöst von der Software verkauft werden, die sie als echt ausweisen sollen.

Der Fall wurde von der stellvertretenden US-Staatsanwältin Risha Asokan und dem Anwalt Jared Hosid aus der Abteilung für Computerkriminalität und geistiges Eigentum (Computer Crime and Intellectual Property Section, CCIPS) verhandelt. Nach eigenen Angaben hat die CCIPS in den vergangenen fünf Jahren mehr als 180 Verurteilungen wegen Cyberkriminalität erwirkt und Geschädigten geholfen, mehr als 350 Millionen Dollar zurückzuerlangen.