Die Transport Layer Security (TLS) ist das Rückgrat der Verschlüsselung für die E-Mail-Kommunikation über das Internet. Sie schützt Nutzer vor Abhören, Manipulation und Spoofing von Nachrichten. Doch TLS 1.0, eingeführt 1999, und sein Nachfolger TLS 1.1 aus 2006, gelten nach über zwei Jahrzehnten als veraltet und unsicher.
Microsoft begann bereits vor mehreren Jahren mit der Blockade dieser älteren Versionen, erlaubte aber über einen Opt-In-Mechanismus weiterhin deren Verwendung. Diese Übergangsfrist läuft nun aus. “Wir planen, die Unterstützung für veraltete TLS-Versionen vollständig einzustellen. Diese älteren Versionen sind längst von der Industrie eingestellt worden und gelten als nicht mehr sicher”, erklärte Microsoft in einer aktuellen Mitteilung. Nur Kunden, die bewusst in Legacy-Endpoints eingemeldet sind, sind betroffen.
Ab Juli 2026 wird Microsoft schrittweise die alten Verbindungen abschalten. Exchange-Online-Nutzer sollten daher unverzüglich handeln: Sie müssen überprüfen, ob ihre E-Mail-Clients und Anwendungen TLS 1.2 oder neuer unterstützen. Dies gilt besonders für maßgeschneiderte oder eingebettete Anwendungen wie IoT-Geräte oder Legacy-Dienste. Viele Hersteller bieten bereits Updates an, und technischer Support kann Aufschluss über TLS-Kompatibilität geben.
Für deutsche Unternehmen ist diese Abschaltung ein wichtiger Anstoß zur Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt bereits seit Jahren den Einsatz moderner TLS-Versionen. Organisationen, die unter die DSGVO fallen, müssen sicherstellen, dass ihre Datenverarbeitung angemessen geschützt ist — schwache Verschlüsselung kann zu Bußgeldern bis 4 Prozent des Jahresumsatzes führen.
Dies ist Teil einer breiteren Industrie-Initiative. 2018 kündigten Microsoft, Apple, Google und Mozilla gemeinsam an, TLS 1.0 und 1.1 auslaufen zu lassen. Microsoft integrierte daraufhin TLS 1.3 als Standard in Windows 10 Insider Builds (August 2020). Auch die US-amerikanische National Security Agency (NSA) rät zur Identifikation und Ersetzung veralteter TLS-Konfigurationen, um Angriffsflächen zu minimieren.
