Die Ausweisung von Xu Zewei markiert einen seltenen Erfolg bei der internationalen Strafverfolgung von Cyberbedrohungen. Der 34-Jährige wurde im Juli 2025 nach seiner Ankunft in Italien verhaftet, nachdem das US-Justizministerium ihn wegen seiner Rolle in mehreren groß angelegten Cyberangriffen angeklagt hatte.
Xu soll zwischen Anfang 2020 und Anfang 2021 zusammen mit Komplizen gezielt US-amerikanische Universitäten sowie Immunologen und Virologen ins Visier genommen haben, die an COVID-19-Forschung arbeiteten. Nach erfolgreichen Netzwerkeinbrüchen bei einer Texas-Universität verschaffte sich Xu Zugang zu E-Mail-Konten von Fachleuten und exfiltrierte Daten, die er dann an Beamte des Büros für Staatssicherheit Shanghai meldete.
Ab Ende 2020 nutzte Xu und sein Netzwerk sogenannte Zero-Day-Schwachstellen in Microsoft-Exchange-Servern, um weltweit Tausende Systeme anzugreifen. Neben weiteren US-Universitäten waren auch eine international tätige Anwaltskanzlei betroffen. Nach erfolgreicher Ausnutzung der verwundbaren Exchange-Server platzierten die Angreifer Web-Shells, um Fernzugriff zu erlangen. Im April 2021 führte das FBI eine Cyberoperation durch, um Web-Shells von mehreren hundert US-Systemen zu entfernen.
Xu wird vor Gericht in Houston angeklagt und muss sich neun Anklagevorwürfen stellen: Betrug per Draht, Computereinbruch, Datendiebstahl, Identitätsdiebstahl und Beschädigung geschützter Computer. Es drohen ihm mehrere Jahre Freiheitsstrafe.
Die Silk-Typhoon-Gruppe – auch unter den Namen Hafnium und Murky Panda bekannt – gilt als eine der gefährlichsten staatlich unterstützten Hackergruppen. Ihre Aktivitäten zeigen ein hohes Maß an technischer Sophistication und strategischer Zielsetzung: Die Fokussierung auf COVID-19-Forschung deutet auf Interesse an wissenschaftlichen Erkenntnissen hin, die für nationale Sicherheitsinteressen relevant sind.
Für deutsche Institutionen ist diese Entwicklung eine Warnung. Das BSI hat wiederholt vor Angriffen solcher APT-Gruppen auf Forschungseinrichtungen und Universitäten gewarnt. Deutsche Hochschulen mit international bedeutsamer Forschung sollten ihre Exchange-Server-Infrastruktur kritisch überprüfen und Patches zeitnah einspielen.
Ein weiterer Komplize, Zhang Yu (44), bleibt weiterhin flüchtig. Seine Ergreifung könnte zeigen, dass internationale Zusammenarbeit zur Cyberkriminalitätsbekämpfung zunehmend funktioniert – auch wenn sie Jahre in Anspruch nimmt.
