Die Sicherheitslücken offenbaren fundamentale Schwächen in der Konstruktion moderner Elektrofahrzeuge. Bei den Zero Motorcycles betrifft das Problem (CVE-2026-1354) die Bluetooth-Verbindung. Forscher von Bureau Veritas Cybersecurity entdeckten, dass die Motorräder im Pairing-Modus keine echte Identitätsprüfung durchführen. Ein Angreifer in Bluetooth-Reichweite könnte sich als vertrauenswürdiges Gerät ausgeben und sich mit dem Motorrad verbinden — ohne dass der Besitzer dies merkt.
Dinesh Shetty, Director of Security Engineering bei Bureau Veritas, erklärt das Bedrohungsszenario deutlich: “Sobald man als vertrauenswürdiges Gerät gekoppelt ist, kann man die Firmware-Update-Funktion missbrauchen und eigenen Code auf das Motorrad spielen.” Das klingt technisch abstrakt, hat aber dramatische praktische Folgen. Der Mikrocontroller der Zero Motorcycles steuert sicherheitskritische Funktionen: Drehmomentabgabe, regenerative Bremsanlage, Stromkontaktoren und Batteriemanagementsystem. Ein Angreifer könnte die Drosselklappenreaktion verändern, Bremsverhalten manipulieren oder sogar Batteriesicherheitsvorkehrungen deaktivieren — alles bei Geschwindigkeit auf der Autobahn.
Bei den Yadea T5 E-Scootern (CVE-2025-70994) ist das Problem noch direkter: schwache Authentifizierung der Funkfernbedienung. Forscher Ashen Chathuranga zeigte, dass ein Angreifer legitime Befehle abfangen und mathematisch neue Befehle synthetisieren kann — etwa Entsperr- und Startbefehle. Der Diebstahl des Scooters wird so zur einfachen Übung.
Zero Motorcycles plant einen Firmware-Patch für Mai; CISA empfiehlt Besitzern, ihre Motorräder an sicheren Orten zu koppeln. Yadea hat bislang weder gepatcht noch Stellung bezogen. Das zeigt ein kritisches Problem: Während traditionelle Autohersteller unter Druck von Regulierung und Haftung stehen, agieren viele E-Fahrzeug-Startups und chinesische Anbieter weniger verantwortungsvoll.
Für Deutschland ist dies ein Weckruf. Das BSI sollte ähnliche Sicherheitsaudits bei im Land vertriebenen E-Fahrzeugen fordern. Hersteller müssen Cybersicherheit nicht als Zusatzfeature, sondern als Kernentwicklungsaspekt verstehen — besonders bei Fahrzeugen, deren Manipulation unmittelbar physischen Schaden verursachen kann.
