Nach Darstellung des „Spiegel“ liefen die Angriffe über eine gefälschte Sicherheits-Funktion von Signal: Die Zielpersonen erhielten Nachrichten von einem vorgetäuschten Sicherheits-Chatbot, der sie über angebliche verdächtige Aktivitäten auf ihren Konten informierte und zu sofortigem Handeln aufforderte.
Befolgten die Nutzer die Anweisungen – etwa die Eingabe einer PIN oder das Scannen eines QR-Codes –, wurde ihr Signal-Konto mit einem externen, von den Angreifern kontrollierten Gerät verknüpft. Auf diese Weise konnten die Täter frühere Chats lesen, laufende Unterhaltungen mitverfolgen und sogar Adressbücher und weitere gespeicherte Daten einsehen.
Bereits in diesem Jahr hatten der Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) öffentlich vor einer solchen Phishing-Kampagne gewarnt. Diese werde „wahrscheinlich von einem staatlich gesteuerten Cyberakteur durchgeführt“. Nach Angaben der dpa kontaktierten deutsche Behörden zudem mehrere Politiker persönlich, um sie vor möglichen Angriffen zu warnen.
Auch die niederländischen Nachrichten- und Sicherheitsdienste warnten, dass „russische Staatshacker eine groß angelegte weltweite Cyberkampagne betreiben, um Zugang zu Signal- und WhatsApp-Konten von Würdenträgern, Militärangehörigen und Beamten zu erlangen“. Zu den Zielen zählten den niederländischen Behörden zufolge Mitarbeiter der dortigen Regierung; auch Journalisten könnten ins Visier geraten sein.
Die russische Botschaft in Berlin reagierte nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Moskau hat wiederholt bestritten, andere Länder auszuspionieren.
Der deutsche Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, wurde nach Angaben der dpa ins russische Außenministerium einbestellt – dabei ging es um mutmaßliche Kontakte deutscher Politiker zu terroristischen Organisationen. Ein Zusammenhang zwischen der Einbestellung und den Medienberichten über die Signal-Phishing-Angriffe wurde nicht hergestellt. „Ich werde der Einbestellung selbstverständlich nachkommen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die russische Seite ihre Vorwürfe wird belegen können“, erklärte Lambsdorff vorab. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit Jahren angespannt.
