Die Warnung aus dem US-amerikanischen Sicherheitsestablishment sollte auch in Deutschland ernst genommen werden. General Joshua Rudd bestätigte vor dem Senat, dass Cyberangriffe auf Wahlen zu erwarten sind – basierend auf historischen Mustern, insbesondere seit der russischen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016.
Rudd gab jedoch zu, dass die sogenannte Election Security Group (ESG), ein Koordinierungsgremium zwischen Cyber Command, NSA, der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA), dem FBI und anderen Behörden, möglicherweise nicht neu gegründet wurde. Diese Unsicherheit über die Vorbereitung ist alarmierend – und zeigt, wie schnell Wahlsicherheitsstrukturen erodieren können.
Für Deutschland hat dies unmittelbare Konsequenzen. Das BSI warnt kontinuierlich vor gezielten Angriffen auf Behörden und Infrastrukturen. Bei Bundestagswahlen 2025 könnten Szenarien wie Phishing gegen Wahlhelfer, DDoS-Angriffe auf Wahlsysteme oder Desinformationskampagnen auftreten – ähnlich wie in den USA. Die DSGVO verpflichtet betroffene Organisationen zudem zur Meldung von Datenverstößen innerhalb von 72 Stunden an die Aufsichtsbehörden.
Ein weiterer kritischer Punkt: Im Gegensatz zu früheren US-Wahlzyklen wurden die Leiter der ESG 2024 anonym gehalten – angeblich zum Schutz ihrer persönlichen Sicherheit. Dies zeigt, wie real die Bedrohung für Sicherheitsprofis ist. Auch deutsche Cybersicherheitsexperten in kritischen Positionen könnten ähnliche Ziele von Hackern werden.
General Rudd und Senator Dan Sullivan sprachen sich für offensive Cyberabwehr aus – ein Ansatz, der auch in europäischen Sicherheitsdebatten an Relevanz gewinnt. Allerdings müssen solche Maßnahmen völkerrechtlich abgesichert sein.
Die dokumentierten Angriffe iranischer Hacker auf die Trump-Kampagne 2024 und auch auf die Biden-Harris-Kampagne unterstreichen: Wahlangriffe sind kein theoretisches Szenario mehr. Sie sind Realität.
Deutschland muss jetzt handeln: Das BSI sollte koordinierte Wahlsicherheitsmechanismen aufbauen, ähnlich wie die ESG. Wahlbehörden benötigen technische Schulungen zur Abwehr von Angriffen. Und das Vertrauen in digitale Wahlprozesse kann nur durch Transparenz und Cyber-Resilienz bewahrt werden.
